Bisher wurde die Impfung nur für Kontaktpersonen nach dem Kontakt empfohlen. Die Zahl der Ansteckungen ist in Frankreich jedoch weiter angestiegen, das Virus hat inzwischen 721 Personen infiziert, was nun ein Umdenken mit sich gebracht hat.
Die Regierung will die Impfung gegen Affenpocken auf die "am stärksten gefährdeten Gruppen" ausweiten, darunter Männer, die Sex mit Männern haben, und Trans-Personen mit mehreren Partnern sowie Menschen, die der Prostitution nachgehen. Die Hohe Gesundheitsbehörde (HAS) hat jetzt eine entsprechende Empfehlung abgegeben. Die HAS empfahl am Freitag, dem 8. Juli, die Impfung auf diese Gruppen auszuweiten. "Diese Stellungnahme wird befolgt werden", kündigte Jérôme Salomon, Generaldirektor für Gesundheit, kurz darauf an. Die neuen Gruppen, die für eine Schutzimpfung in Frage kommen, "können ab nächster Woche damit beginnen, Termine zu vereinbaren, wenn sie es wünschen".
Die Impfung sollte auch "von Fall zu Fall" für Berufsgruppen in Betracht gezogen werden, "die kranke Personen betreuen müssen", heißt es in der Pressemitteilung.
Bisher empfahl die Haute Autorité de Santé lediglich die Impfung von Erwachsenen, einschließlich Angehörigen der Gesundheitsberufe, die einen Risikokontakt mit einem Kranken hatten. Die Zahl der Fälle ist jedoch gestiegen, bis zum 7. Juli wurden 721 Fälle bestätigt, davon 473 allein in der Region Ile-de-France. Angesichts der Verbreitung des Virus, "der Kinetik der Epidemie und der Schwierigkeiten, die Kontakte von infizierten Personen zurückzuverfolgen", war die HAS daher von der Generaldirektion für Gesundheit um eine Stellungnahme gebeten worden.
Bisher sind in Frankreich 98% der Ansteckungen bei Männern aufgetreten, die Sex mit Männern hatten. 75% der Betroffenen gaben an, in den drei Wochen vor Auftreten der Symptome mindestens zwei Sexualpartner gehabt zu haben.
Die LGBTQ+-Verbände forderten die Regierung dazu auf, die Schutzimpfung gegen Affenpocken auf alle Männer, die Sex mit Männern haben, aber auch auf Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter auszuweiten. Diese Bevölkerungsgruppen stellen die Mehrheit der infizierten Personen dar, obwohl inzwischen auch Fälle bei immungeschwächten Personen und einigen Kindern festgestellt wurden. "Es muss möglich sein, eine präexpositionelle Impfung anzubieten, bevor man mit dem Virus in Kontakt kommt", betont Franck Barbier von "Aides".
"Ab nächster Woche werden etwa zehn Standorte in der Region Ile-de-France eine Impfung für die breite Öffentlichkeit anbieten", so Cécile Somaribba, Leiterin der Abteilung für Gesundheitsüberwachung und -sicherheit bei der regionalen Gesundheitsbehörde der Region Ile-de-France. Der verwendete Impfstoff, der in Europa unter dem Namen Imvanex vermarktet wird, ist ein Impfstoff der dritten Generation (nicht replizierender Lebendimpfstoff), der seit 2013 in Europa zugelassen und gegen Pocken bei Erwachsenen angewendet wird.