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Alle Artikel · 28.06.2025 06:32

Alpes-Maritimes: Streit um Stellplätze für Wohnwagen – Kommunen in der Klemme

Sommer in Südfrankreich. Sonne, Hitze, Touristenströme – und ein Konflikt, der schon lange leise schwelt und nun offen ausbricht. Im Département Alpes-Maritimes eskaliert die Frage, wo und wie Menschen aus der Gemeinschaft der „Gens...

Sommer in Südfrankreich. Sonne, Hitze, Touristenströme – und ein Konflikt, der schon lange leise schwelt und nun offen ausbricht. Im Département Alpes-Maritimes eskaliert die Frage, wo und wie Menschen aus der Gemeinschaft der „Gens du voyage“ („Fahrende“ oder „Fahrendes Volk“) ihre Wohnwagen abstellen dürfen. Der Staat greift hart durch, Kommunen fühlen sich übergangen. Doch worum geht es genau?

Besonders angespannt ist die Lage in Saint-Laurent-du-Var, direkt bei Nizza. Dort hat Präfekt Laurent Hottiaux 22 Grundstücke requiriert, um rund 120 Familien der Gens du voyage in den Sommermonaten aufnehmen zu können. Die Reaktion des Bürgermeisters Joseph Ségura (Les Républicains)? Empörung. Die Flächen seien ungeeignet, teilweise kontaminiert, schwer zugänglich und keinesfalls vorbereitet für einen geordneten Aufenthalt. Trotz eines Eilantrags vor dem Verwaltungsgericht bleibt die Beschlagnahme jedoch vorerst bestehen. Die Gemeinde ist in einer Zwangslage.

Hintergrund ist die gesetzliche Lage: Frankreich verpflichtet alle Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern, Stellplätze für die Gens du voyage bereitzustellen – inklusive sanitärer Anlagen, Stromversorgung und Müllentsorgung. Doch viele Kommunen, gerade im Département Alpes-Maritimes, hinken hinterher. Die Folge? Präfekturen sehen sich gezwungen, Grundstücke per Verfügung bereitzustellen, um wilde Besetzungen zu verhindern.

Viele Bürgermeister im Département kritisieren die Maßnahmen der Präfektur als übergriffig. „Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne dass uns finanzielle oder technische Mittel zur Verfügung gestellt werden“, so der Tenor. Denn die Einrichtung solcher Stellplätze ist kostspielig. Neben dem Kauf oder der Herrichtung des Grundstücks fallen hohe Summen für Wasseranschlüsse, Abwassersysteme, Strom und Müllentsorgung an. Hinzu kommt ein Problem, das viele Bürgermeister nur hinter vorgehaltener Hand ansprechen: die Sorge vor Spannungen mit der lokalen Bevölkerung.

Dabei betrifft das Thema längst nicht nur die Côte d’Azur. Frankreichweit fehlen hunderte Stellplätze. Immer wieder kommt es im Sommer zu Konflikten, wenn Gruppen der "Gens du voyage" sich auf Sportplätzen, Parkplätzen oder Brachflächen niederlassen. Verbände der Betroffenen fordern eine bessere Umsetzung der Gesetze. Die Realität: Für viele Kommunen ist es eine ungeliebte Pflicht. Für das fahrende Volk ist es ein Kampf um Rechte und Anerkennung.

Die Präfekturen verweisen auf die klare Gesetzeslage. Die Bürgermeister fordern Unterstützung. Und die Menschen, um die es geht, wünschen sich einen respektvollen Umgang und Stellplätze, die den hygienischen Mindestanforderungen entsprechen. Vielleicht braucht es beides: Mehr Geld vom Staat – und mehr Bereitschaft der Kommunen, diese Plätze nicht nur als Belastung, sondern als Chance für ein geordnetes Miteinander zu begreifen. Denn was wäre die Alternative? Immer neue Konflikte, gerichtliche Auseinandersetzungen, aufgebrachte Anwohner. Ein klug geplanter Stellplatz ist allemal besser als ein wochenlang blockierter Supermarktparkplatz.

Der Streit in den Alpes-Maritimes wirft ein Schlaglicht auf ein Thema, das Frankreich seit Jahren beschäftigt. Ohne gemeinsame Lösungen wird es auch in den nächsten Sommern wieder heißen: beschlagnahmte Grundstücke, verärgerte Bürgermeister und Menschen, die um ihr Recht auf einen Platz ringen.

Andreas M. B.

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