Marseille – 23.07.2026: Amine Kessaci hat seine Polizeibewachung mit einer nach seinen Worten konkreten Bedrohung begründet. In der Morgensendung von franceinfo sagte der Marseiller Vizebürgermeister und Aktivist gegen den Drogenhandel, auf ihn sei ein Auftrag mit einer Geldsumme ausgesetzt worden. Er stelle dies nicht als persönliches Gefühl dar, sondern als Erkenntnis aus polizeilichen Informationen.
Kessaci sprach in der Sendung gemeinsam mit Bernard Petit, dem früheren Leiter der Pariser Kriminalpolizei am 36, quai des Orfevres. Anlass war die Frage, wie Kommunalpolitiker, Zeugen und engagierte Bürger gegen Einschüchterung durch kriminelle Netzwerke geschützt werden können. Kessaci verlangte dabei nicht nur bewaffnete Begleitung, sondern auch Bedingungen, unter denen Bedrohte weiter wohnen, arbeiten und sich frei bewegen können.
Die Worte des 22-Jährigen haben in Marseille besonderes Gewicht. Kessaci wurde nach der Kommunalwahl im März 2026 Mitglied der Stadtspitze. Bekannt wurde er als Gründer der Vereinigung Conscience, die Familien von Opfern der Drogengewalt unterstützt. Seine Familie ist seit Jahren von dieser Gewalt betroffen: Sein Bruder Brahim wurde 2020 getötet, sein jüngerer Bruder Mehdi im November 2025 in Marseille erschossen.
Die Ermittlungen zum Tod von Mehdi Kessaci laufen weiter. Nach Berichten über den Ermittlungsstand prüfen die Behörden insbesondere, ob der Anschlag dem Druck auf Amine Kessaci dienen sollte und ob es bei der Auswahl des Opfers zu einer Verwechslung kam. Aus den bekannten Unterlagen folgt keine gerichtsfeste Zuordnung der Verantwortung zu einer bestimmten Gruppe. Auch die nun von Kessaci geschilderte Bedrohung wurde öffentlich nicht in allen Einzelheiten erläutert.
Schon vor dem Mord an seinem Bruder war Kessaci nach Angaben mehrerer Medien wegen erkannter Gefahren unter Polizeischutz gestellt worden. Im Februar 2026 wurde er während des Kommunalwahlkampfs aus einer Veranstaltung in Aix-en-Provence herausgebracht, nachdem Sicherheitskräfte einen Hinweis geprüft hatten. Die zuständige Kriminalpolizei in Marseille nahm damals Ermittlungen auf; eine konkrete Gefahr wurde zu diesem Zeitpunkt nach öffentlich bekannten Angaben noch nicht abschließend belegt.
Der Fall zeigt, wie eng Drogenkriminalität, Einschüchterung und das öffentliche Leben in Teilen von Marseille ineinandergreifen können. Kessaci bleibt trotz der Sicherheitsauflagen politisch aktiv. Seine Forderung richtet sich an Staat und Kommunen: Schutz darf nicht bedeuten, dass Betroffene aus ihrer Stadt und ihrem sozialen Umfeld verschwinden. Ob die aktuelle Drohung neue strafrechtliche Schritte ausgelöst hat, wurde am Donnerstag nicht mitgeteilt.
Quellen
- franceinfo
- Le Monde
- Senat
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).