Paris – 12.09.2026: Die Schauspielerin und Regisseurin Andréa Bescond hat dazu aufgerufen, den öffentlichen Druck für ein umfassendes Gesetz gegen sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt aufrechtzuerhalten. In einem Porträt des Senders Franceinfo verbindet sie diese Forderung mit ihrer künstlerischen Arbeit. Der Film "Les Chatouilles", in dem sie die Folgen des von ihr erlittenen sexuellen Missbrauchs verarbeitet, machte Bescond zu einer weithin bekannten Stimme der gesellschaftlichen Debatte.
Der politische Anlass ist konkret: Eine Sonderkommission der Nationalversammlung begann am 7. September mit der Beratung eines Gesetzentwurfs, der Frauen und Kinder umfassender vor sexueller und sexistischer Gewalt schützen soll. Der Entwurf wurde am 11. August unter der Nummer 3106 eingebracht. Generalberichterstatterin ist die sozialistische Abgeordnete Céline Thiébault-Martinez; den Vorsitz der Kommission führt Christopher Weissberg aus dem Präsidentenlager.
Das Vorhaben befindet sich noch nicht in der abschließenden Beratung des Plenums. Zunächst prüft die Sonderkommission den Text und berät mögliche Änderungen. Die öffentliche Debatte in der Nationalversammlung ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Agence France-Presse für Anfang Oktober 2026 vorgesehen. Ein zuvor erwogener Termin Ende September entfiel, nachdem die Regierung auf eine außerordentliche Sitzungsperiode verzichtet hatte.
Der Entwurf umfasst 69 Artikel und greift 140 Vorschläge einer seit 2024 arbeitenden Koalition feministischer Organisationen und Kinderschutzverbände auf. Die vorgesehenen Maßnahmen reichen von Prävention und früherer Erkennung über verstärkte Ermittlungen und spezialisierte Gerichte bis zu einer eigenständigen strafrechtlichen Einordnung von Inzest. Parallel liegt ein organischer Gesetzentwurf vor, der die Organisation der Justiz bei sexualisierter und innerfamiliärer Gewalt anpassen soll.
Besconds Intervention gibt zugleich den außerparlamentarischen Akteuren eine prominente Stimme. Seit dem Tod der elfjährigen Lyhanna im Département Gers im Juni 2026 finden regelmäßig Kundgebungen vor Gerichten statt. Am 7. September versammelten sich AFP zufolge etwa tausend Menschen auf dem Pariser Place Vendôme vor dem Justizministerium. Organisationen wie die Fondation des femmes und Mouv'Enfants fordern, das Gesetz mit ausreichenden finanziellen Mitteln auszustatten.
Die zuständige Ministerin Aurore Bergé sagte gegenüber AFP, die auf jährlich rund drei Milliarden Euro geschätzten Kosten dürften kein Hindernis sein. Sie strebt eine Verabschiedung vor dem Ende der laufenden Legislaturperiode an. Der finanzielle Umfang entspricht dem weitreichenden Anspruch des Vorhabens: Prävention, Gesundheitsversorgung, Polizei, Justiz und Opferhilfe sollen ineinandergreifen.
Besconds Appell richtet sich daher über das Parlament hinaus an die Öffentlichkeit. Die Sonderkommission berät nun über den Umfang des Entwurfs; anschließend soll Anfang Oktober die Plenardebatte beginnen.
Quellen
- Franceinfo
- Assemblée nationale
- Agence France-Presse
- Le Monde
- La Chaîne parlementaire
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).