Aktuell · 21.07.2026 07:04
Andy Burnham übernimmt das Amt des britischen Premierministers
Der neue Labour-Vorsitzende Andy Burnham ist nach dem Rücktritt von Keir Starmer von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt worden. In seiner ersten Rede kündigte er einen stärker dezentralen Staat und rasche Maßnahmen…
London – 20.07.2026: Andy Burnham ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. beauftragte den 56-jährigen Labour-Politiker im Buckingham-Palast mit der Bildung einer Regierung, nachdem Keir Starmer seinen Rücktritt formell eingereicht hatte. Burnham nahm den Auftrag an und trat wenig später vor die Residenz des Regierungschefs in der Downing Street.
Der Machtwechsel erfolgte ohne Parlamentswahl. Im britischen parlamentarischen System entscheidet die Mehrheit im Unterhaus darüber, wer regieren kann. Da Labour weiterhin über eine Mehrheit verfügt, konnte der neue Parteivorsitzende das Amt unmittelbar übernehmen. Der Monarch besitzt dabei keine eigenständige politische Entscheidungsgewalt, vollzieht den Wechsel jedoch formell.
Burnham war am 17. Juli zum Vorsitzenden der Labour Party gewählt worden. Nach Angaben der Partei erhielt der Abgeordnete für Makerfield die Unterstützung von 379 Labour-Abgeordneten sowie 23 angeschlossenen Organisationen. Erst im Juni war er bei einer Nachwahl ins Unterhaus eingezogen. Zuvor hatte er über Jahre die Region Greater Manchester als direkt gewählter Bürgermeister geführt.
Starmer hatte Labour 2024 zu einem deutlichen Wahlsieg geführt und seit Juli desselben Jahres die Regierung geleitet. Sein Abgang beendet eine nur zweijährige Amtszeit. Burnham ist nach eigener Zählung der siebte Premierminister seit 2016. Die hohe Zahl von Regierungswechseln verweist auf die anhaltende Instabilität der britischen Parteipolitik, auch wenn der institutionelle Übergang nach festen verfassungsrechtlichen Konventionen verlief.
In seiner ersten Ansprache stellte Burnham die Wiederherstellung politischer Handlungsfähigkeit in den Mittelpunkt. Er kündigte an, Kompetenzen stärker aus London in Städte und Regionen zu verlagern. Wirtschaftspolitisch sprach er von einer Reindustrialisierung, einer stärkeren Nutzung öffentlicher Beschaffung zugunsten britischer Unternehmen und einem umfassenden Zehnjahresplan, der noch 2026 vorgelegt werden soll.
Als erste konkrete Maßnahme versprach die neue Regierung ein Programm gegen dauerhafte Obdachlosigkeit. Dafür sollen zunächst 340 Millionen Pfund zusätzlich bereitgestellt werden. Nach Regierungsangaben sollen mit dem Auftaktbudget 1200 Wohnungen und intensive Unterstützungsangebote für mindestens 3000 besonders gefährdete Menschen finanziert werden. Kommunen, der nationale Gesundheitsdienst NHS und weitere öffentliche Stellen sollen an der Umsetzung beteiligt werden.
Die wirtschaftlichen Spielräume bleiben jedoch begrenzt. Die britische Wirtschaft wuchs seit 2009 im Durchschnitt um weniger als 1,5 Prozent pro Jahr, deutlich langsamer als vor der Finanzkrise von 2008. Zugleich liegt die öffentliche Verschuldung bei mehr als 95 Prozent der Wirtschaftsleistung. Burnhams Regierung muss daher ihre sozialen und regionalpolitischen Vorhaben mit der Zusage verbinden, die Staatsfinanzen zu stabilisieren.
Quellen
- GOV.UK – Erste Rede von Premierminister Andy Burnham, 20. Juli 2026
- GOV.UK – Programm gegen dauerhafte Obdachlosigkeit, 20. Juli 2026
- Labour Party – Wahl Andy Burnhams zum Parteivorsitzenden, 17. Juli 2026
- Associated Press – Machtwechsel und institutioneller Hintergrund