Porto-Vecchio – 06.08.2026: Ein konspirativer Presseauftritt der korsisch-nationalistischen Untergrundgruppe FLNC-UC beschäftigt seit Donnerstag die französische Justiz. Nachdem die Gruppe Menschen bedroht hatte, die sie als "Fremde" bezeichnet, nahm die Pariser Antiterrorstaatsanwaltschaft PNAT Ermittlungen auf. Zu den Angegriffenen zählt das FLNC-UC den verbreiteten Angaben zufolge auch Franzosen ohne korsische Herkunft.
Die Ermittler müssen nun klären, wer die Erklärungen verfasst und verbreitet hat, wie ernst die Drohungen zu nehmen sind und ob sich daraus konkrete Straftatbestände ergeben. Über Beschuldigte, Durchsuchungen oder Festnahmen war am Abend nichts bekannt. Die Aufnahme von Ermittlungen bedeutet zunächst, dass die Vorwürfe strafrechtlich geprüft werden; eine Schuldzuweisung an einzelne Personen ist damit nicht verbunden.
Jean-Christophe Angelini, Bürgermeister von Porto-Vecchio, deutete den Auftritt gegenüber Franceinfo als Versuch des FLNC-UC, in die öffentliche Debatte zurückzukehren. Dass die Gruppe dafür eine geheime Inszenierung und Drohungen wählte, verleiht dem Vorgang besondere Schärfe. In der Hafenstadt im Süden Korsikas sorgen Fragen des Wohnraums, steigende Bodenpreise und der Zuzug vom französischen Festland seit Jahren für politische Auseinandersetzungen.
Die beanstandeten Äußerungen berühren einen besonders empfindlichen Punkt: Menschen werden nach ihrer zugeschriebenen Herkunft getrennt und jene unter Druck gesetzt, die nicht als korsisch gelten. Für Betroffene kann dabei offenbleiben, ob sie mit einer allgemeinen politischen Parole oder einer persönlichen Einschüchterung konfrontiert sind. Die spezialisierte Staatsanwaltschaft wird prüfen müssen, welche strafrechtliche Tragweite die Erklärungen besitzen und ob Verbindungen zu weiteren Vorgängen bestehen.
Das FLNC-UC steht für eine lange Phase illegaler und bewaffneter Aktionen innerhalb des korsischen Nationalismus. Im Jahr 2014 hatte die Organisation eine schrittweise Demilitarisierung und den Rückzug aus dem bewaffneten Kampf angekündigt. In den vergangenen Jahren tauchten dennoch wiederholt Bekennerschreiben und Drohungen aus dem nationalistischen Untergrund auf. Mit der abgeschotteten Form seines jüngsten Auftritts knüpft das FLNC-UC an diese Vergangenheit an.
Für Porto-Vecchio hat der Konflikt eine unmittelbare gesellschaftliche Dimension. Die stark vom Tourismus und vom Immobilienmarkt geprägte Stadt zieht Investoren, Arbeitskräfte und neue Bewohner an. Zugleich verschärfen knapper Wohnraum und hohe Preise die Sorge vieler Einheimischer, wirtschaftlich verdrängt zu werden. Solche Interessenkonflikte gehören in die demokratische Auseinandersetzung; Drohungen gegen ganze Bevölkerungsgruppen werden hingegen strafrechtlich verfolgt.
Angelini ist nach den amtlichen Kommunalangaben weiterhin Bürgermeister von Porto-Vecchio. Öffentliche Angaben zu möglichen Verbindungen zwischen dem Presseauftritt, einzelnen Verdächtigen und weiteren Vorfällen lagen am Donnerstagabend nicht vor. Gesichert war zu diesem Zeitpunkt lediglich, dass das PNAT die Ermittlungen übernommen hatte.
Quellen
- Franceinfo
- Parquet national antiterroriste
- Base nationale sur l'intercommunalité et autres collectivités
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).