Bastia – 06.08.2026: Eine Erklärung aus dem Umfeld des korsischen Untergrunds hat auf der Insel neue Unruhe ausgelöst. Die nationale Antiterrorstaatsanwaltschaft PNAT eröffnete nach Angaben von Franceinfo ein Ermittlungsverfahren, nachdem der FLNC-UC Drohungen gegen Menschen formuliert hatte, die er als Fremde bezeichnet. Gemeint sind demnach auch Französinnen und Franzosen vom Festland, die auf Korsika leben oder dort Eigentum besitzen.
Die Justiz prüft nun die Herkunft und Verbreitung des Textes sowie dessen möglichen strafrechtlichen Gehalt. Über konkrete Verdächtige, Durchsuchungen oder Festnahmen war am Donnerstagabend nichts bekannt. Auch Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag wurden nicht veröffentlicht. Die Aufnahme von Ermittlungen bedeutet zunächst, dass spezialisierte Behörden die Drohungen bewerten, mögliche Urheber identifizieren und Anhaltspunkte für eine gewaltsame Vorbereitung suchen.
Der Name FLNC steht für eine lange und gewaltgeprägte Geschichte des korsischen Nationalismus. Organisationen unter dieser Bezeichnung prägten über Jahrzehnte den Konflikt um Autonomie, Unabhängigkeit und Landbesitz auf der Mittelmeerinsel. Sie bekannten sich zu zahlreichen Anschlägen, die sich häufig gegen staatliche Einrichtungen oder Immobilien richteten. Der FLNC-UC hatte 2014 erklärt, den bewaffneten Kampf einzustellen. In späteren Jahren erschienen jedoch erneut Erklärungen und Drohungen, die dem militanten Umfeld zugeschrieben wurden.
Antoine Giannini, Journalist der Regionalzeitung Corse-Matin, bezeichnete die jüngste Erklärung gegenüber Franceinfo als Drohsignal, dem derzeit keine neue Serie von Aktionen folge. Seine Einschätzung kann die Ermittlungen nicht vorwegnehmen. Sie markiert jedoch den Abstand zwischen einer öffentlich verbreiteten Drohung und einer tatsächlich vorbereiteten Gewalttat. Ob hinter dem Text eine handlungsfähige Struktur steht, müssen Polizei und Justiz klären.
Für die ausdrücklich genannten Gruppen kann bereits die öffentliche Zuschreibung als Ziel einschüchternd wirken. Das betrifft Menschen vom französischen Festland ebenso wie ausländische Einwohner und Immobilienbesitzer. Die Drohungen treffen zudem auf eine angespannte Debatte über Wohnraum, Zweitwohnsitze und steigende Grundstückspreise. Solche Konflikte gehören seit Jahren zu den sozialen und politischen Streitpunkten Korsikas. Sie rechtfertigen weder Gewalt noch die pauschale Ausgrenzung von Bewohnern aufgrund ihrer Herkunft.
Die 2019 eingerichtete PNAT bearbeitet besonders schwere Terrorismusverfahren und kann dafür Ermittlungsressourcen auf nationaler Ebene bündeln. Im vorliegenden Fall ist die öffentlich bekannte Faktenlage noch schmal: Bestätigt ist die Eröffnung einer Untersuchung wegen der Drohungen. Ungeklärt sind die Urheberschaft, die organisatorische Reichweite der Verfasser und die Frage, ob außer dem Text belastbare Hinweise auf konkrete Tatvorbereitungen vorliegen.
Quellen
- Franceinfo
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).