Die kleine Küstenstadt Arcachon in der Gironde sorgt für Aufsehen: Ihr Bürgermeister Yves Foulon will den Einwohnern Zugang zu ChatGPT bieten, um der digitalen Kluft entgegenzuwirken. Mit einem klaren Ziel vor Augen erklärt der Bürgermeister: „Unsere Stadt hat den höchsten Altersdurchschnitt in Frankreich – da ist es entscheidend, dass alle Menschen am digitalen Wandel teilhaben können.“
Doch wie sieht diese Initiative genau aus und warum hat sich Foulon ausgerechnet für ChatGPT entschieden?
Die älteste Stadt Frankreichs kämpft mit der Digitalisierung
Arcachon ist bekannt für seine atemberaubenden Strände, die majestätische Dune du Pilat und – so überraschend es klingen mag – seine besonders alte Bevölkerung. Laut Foulon ist die Stadt „soziologisch gesehen die älteste in ganz Frankreich“. In einer Zeit, in der fast alle Dienstleistungen digitalisiert werden, ist das für viele eine große Herausforderung. Online-Banking, Behördengänge und sogar der Kontakt zu weit entfernt lebenden Familienmitgliedern – alles geschieht zunehmend online. Genau hier setzt der Bürgermeister an.
Foulons Initiative, ChatGPT für die rund 12.000 Einwohner von Arcachon zugänglich zu machen, ist Teil einer politischen Strategie. „Es geht darum, die digitale Kluft zu überbrücken“, betont er. Viele Senioren fühlen sich von der technologischen Entwicklung abgehängt – und das zu einem Zeitpunkt, an dem digitale Fähigkeiten zunehmend unverzichtbar sind. Ein digitales Assistenztool wie ChatGPT könnte hier die Lösung sein.
Warum ChatGPT?
Ein häufiger Vorwurf gegenüber Suchmaschinen wie Google ist ihre rein faktische Antwortstruktur. Foulon erklärt es so: „Google gibt Ihnen eine Reihe von Fakten, aber ChatGPT hilft Ihnen, einen Lebenslauf zu erstellen oder einen Brief zu formulieren – es verfeinert die Antworten und macht den Zugang zur Digitalisierung schneller und einfacher.“ Anders als herkömmliche Suchmaschinen interagiert ChatGPT mit den Nutzern auf eine Weise, die für viele Menschen, insbesondere ältere, zugänglicher und nützlicher ist.
Während mancherorts der Zugang zu digitalen Tools wie ChatGPT vielleicht als Spielerei abgetan wird, hat Arcachon klare Vorstellungen von der praktischen Anwendung: Bürger können mit der KI Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben wie dem Ausfüllen von Formularen, der Korrespondenz oder auch bei technischen Fragen bekommen – und das alles, ohne selbst ein technisches Genie sein zu müssen.
Finanzieller Rahmen – wie teuer wird das?
Ein weiterer Pluspunkt dieser Idee: die finanziellen Aspekte. Während Privatpersonen für ein ChatGPT-Abonnement rund 24 Euro im Monat zahlen, profitiert die Stadt Arcachon von einem flexibleren Modell. „Wir bezahlen pro gestellter Frage“, sagt Foulon. Das bedeutet, dass die Stadt zwischen 2 und 3 Cent pro Anfrage ausgibt. Der Gesamtaufwand wird auf etwa 10.000 Euro im Jahr geschätzt – ein überschaubarer Betrag, der es der Stadt ermöglicht, ohne große zusätzliche Kosten einen innovativen Service anzubieten.
Natürlich taucht dabei die Frage auf: Wird durch diesen Einsatz von KI menschliche Arbeitskraft ersetzt? Foulon versichert das Gegenteil: „Wir haben bereits Mitarbeitende, die im Bereich der digitalen Kluft tätig sind, und dieser Service ergänzt ihre Arbeit, ersetzt sie aber nicht.“
Die Stadt beschäftigt bereits Zivildienstleistende und geschulte Mitarbeiter, die sich um die Anliegen der Bürger kümmern – ChatGPT soll diese Arbeit lediglich unterstützen. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht die Relevanz: „Wenn eine ältere Dame sagt: ‚Mein Enkel wohnt in Kolumbien und ich weiß nicht, wie ich mit ihm per Videoanruf sprechen kann‘, dann helfen wir ihr dabei. Und genau so nutzen wir auch ChatGPT, um bei solchen Anfragen zu unterstützen“, erklärt der Bürgermeister.
Ein pragmatischer Ansatz
Die Idee, künstliche Intelligenz auf lokaler Ebene zu nutzen, mag visionär klingen, doch Foulon sieht darin schlicht eine vernünftige Erweiterung der städtischen Dienstleistungen. Er betont, dass dies kein Luxusprojekt sei: „Es ist einfach ein Service für die Bevölkerung.“
Interessanterweise setzen viele andere Städte auf Sparmaßnahmen und beklagen, dass sie nicht genug Budget für ihre Aufgaben zur Verfügung haben. In Arcachon sieht man das anders. Der Bürgermeister ist überzeugt, dass die 10.000 Euro gut investiert sind – eine moderne Lösung für ein reales Problem.
Die Zukunft der digitalen Stadt
Arcachon macht mit dieser Initiative vor, wie digitale Tools genutzt werden können, um echte Probleme zu lösen – und das in einer Bevölkerungsgruppe, die oft von der digitalen Transformation abgehängt wird. Könnte das Modell Schule machen? Es scheint durchaus denkbar, dass andere Gemeinden bald nachziehen, wenn sich zeigt, dass die Initiative Früchte trägt.
Am Ende ist es doch so: In einer Welt, in der vieles zunehmend digital und vernetzt funktioniert, darf niemand zurückgelassen werden. Warum sollten also nicht mehr Städte die Hilfe von ChatGPT oder anderen KI-Systemen in Anspruch nehmen, um ihre Bürger fit für die Zukunft zu machen?
Arcachon hat den ersten Schritt gewagt – und vielleicht werden wir in einigen Jahren auf diese Entscheidung zurückblicken und sagen: Genau da hat alles angefangen.