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ArcelorMittal in der Krise: Stahlkocher rufen zur Großdemo nach Paris

Die Hochöfen in Dunkerque zählen zu den größten Europas – doch es brennt längst nicht mehr nur das Roheisen. Es lodert auch der Unmut. Die CGT-Gewerkschaft von ArcelorMittal schlägt Alarm: Am 13. Mai 2025 soll eine landesweite Demonstration in Paris stattfinden. Im Zentrum steht ein Thema, das Frankreich seit Jahren umtreibt – die schleichende Deindustrialisierung…

Illustrationsfoto: Ant Rozetsky

Die Hochöfen in Dunkerque zählen zu den größten Europas – doch es brennt längst nicht mehr nur das Roheisen. Es lodert auch der Unmut. Die CGT-Gewerkschaft von ArcelorMittal schlägt Alarm: Am 13. Mai 2025 soll eine landesweite Demonstration in Paris stattfinden. Im Zentrum steht ein Thema, das Frankreich seit Jahren umtreibt – die schleichende Deindustrialisierung und der massive Verlust von Arbeitsplätzen in der Metallbranche.

Ein Hilferuf aus dem Norden

636 Stellen sollen gestrichen werden – 295 davon allein am Standort Dunkerque. Für viele ist das mehr als eine Zahl. „Wenn ArcelorMittal fällt, fällt das ganze industrielle Gefüge Nordfrankreichs“, warnt Gaëtan Lecocq, Generalsekretär der CGT bei ArcelorMittal Dunkerque. Er bringt auf den Punkt, was viele denken: Hier geht es nicht nur um einzelne Jobs, sondern um ganze Existenzen, um regionale Stabilität – und um ein Stück französische Industriegeschichte.

Schon am 1. Mai war der Unmut greifbar. Über 1.000 Menschen folgten dem Aufruf der CGT, drei Mal so viele wie sonst. Die Menge formierte sich hinter den Stahlarbeitern – mit Transparenten, Sprechchören und sichtbarem Zorn. An ihrer Seite: Vertreter der großen linken Parteien. Olivier Faure, Boris Vallaud, Nicolas Mayer-Rossignol und Marine Tondelier solidarisierten sich demonstrativ. Eine Koalition der Sorgen, wenn man so will.

Was die Gewerkschaft fordert

Die Vorwürfe der CGT wiegen schwer. Von Investitionsstau, verrottender Infrastruktur und tödlichem Sparkurs ist die Rede. „Ein Desaster mit Ansage“, so Reynald Quaegebeur, zentraler Gewerkschaftsvertreter bei ArcelorMittal Frankreich. Die Standorte seien über Jahre kaputtgespart worden – nun ziehe sich der Konzern zurück, anstatt Verantwortung zu übernehmen.

Doch es geht nicht nur um Erhalt. Die Gewerkschaft fordert auch, dass der französische Staat bei der geplanten Dekarbonisierung der Werke das Ruder übernimmt. Christelle Veignie von der lokalen CGT bringt es auf den Punkt: „Wenn Mittal sich weiter ziert, muss der Staat eingreifen – notfalls durch Verstaatlichung.“

Klingt radikal – aber ist das vielleicht der letzte Rettungsanker?

Die Politik hört zu – vorerst

Der Druck auf den Konzern wächst. Eine parlamentarische Untersuchungskommission wird die ArcelorMittal-Spitze binnen weniger Wochen ins Kreuzverhör nehmen. Initiator ist der grüne Abgeordnete Benjamin Lucas, der die geplanten Kündigungen als wirtschaftlich unbegründet einstuft.

Unter Eid soll die Unternehmensleitung Rede und Antwort stehen – ein symbolisch wie juristisch bedeutender Schritt.

Doch ob das ausreicht, um die geplanten Kürzungen zu stoppen?

Was am 13. Mai auf dem Spiel steht

Der 13. Mai könnte ein Schlüsselmoment werden. Die landesweite Demonstration ist um das zentrale Sozial- und Wirtschaftskomitee (CSE) herum geplant – also genau dann, wenn über die Zukunft der Belegschaft verhandelt wird. Die Botschaft: Die Straße will nicht länger zuschauen, wie Jobs geopfert werden – für Profit, für Rendite, für einen Sparkurs, der langfristig ganze Regionen veröden lässt.

Frankreich kennt solche Kämpfe – doch selten war der Schulterschluss zwischen Arbeitern, Gewerkschaften und Politik so deutlich. Die industrielle Seele des Landes steht auf dem Spiel. Und viele fragen sich: Was kommt danach, wenn auch der letzte Hochofen kalt ist?

Eine Bewegung mit Signalwirkung?

Noch ist unklar, ob ArcelorMittal einlenkt – oder ob die Politik den Mut findet, sich gegen einen multinationalen Konzern zu stellen. Doch der Ruf nach einer industriepolitischen Kehrtwende wird lauter. Und wenn die Stahlkocher marschieren, horcht das Land auf.

Vielleicht wird der 13. Mai nicht nur ein Protesttag – sondern der Anfang einer neuen Bewegung für eine gerechtere und nachhaltigere Industriepolitik.

Von Andreas M. B.

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