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Auch heute wieder: Frankreich im Schneckentempo -Taxifahrer legen das Land lahm

Es ist Montagmorgen, der 26. Mai 2025 – doch statt gewöhnlichem Berufsverkehr herrscht in vielen Regionen Frankreichs Stau auf Ansage. Der Grund: Eine groß angelegte Protestwelle der Taxifahrer, die mit sogenannten „opérations escargot“ – also Schneckenfahrten – ihren Unmut über die geplante Reform der Krankenfahrten zum Ausdruck bringen. Der Verkehr steht, die Geduld vieler Autofahrer…

Illustration Mario Scheibl

Es ist Montagmorgen, der 26. Mai 2025 – doch statt gewöhnlichem Berufsverkehr herrscht in vielen Regionen Frankreichs Stau auf Ansage. Der Grund: Eine groß angelegte Protestwelle der Taxifahrer, die mit sogenannten „opérations escargot“ – also Schneckenfahrten – ihren Unmut über die geplante Reform der Krankenfahrten zum Ausdruck bringen. Der Verkehr steht, die Geduld vieler Autofahrer auch. Doch die Taxifahrer geben sich unbeugsam.

Schnecken auf der Überholspur

Schon vor Sonnenaufgang versammelten sich zahlreiche Taxi-Kolonnen an strategisch wichtigen Punkten. In Paris stauten sich die Fahrzeuge um die Flughäfen Roissy und Orly und bahnten sich von dort im Schneckentempo ihren Weg Richtung Boulevard Raspail – direkt vors Verkehrsministerium. Auch in Marseille war kein Durchkommen: Die Taxifahrer blockierten Zufahrten zur Gare Saint-Charles und dem Flughafen Marseille-Provence. Selbst im Osten, in der Moselle, zog sich der Protestzug wie ein endloser Lindwurm über die Autobahn A31 – inklusive Wiederholung am Nachmittag. Wer da noch pünktlich zur Arbeit, oder am Nachmittag nach Hause kam, hatte wohl Hexerei im Tank.

Der Tropfen, der das Taxameter überlaufen ließ

Was die Fahrer auf die Straße treibt? Eine geplante Reform, die ihnen gewaltig gegen den Strich geht. Die neue Regelung zur Abrechnung von Patiententransporten sieht vor, dass die Krankenkasse nur noch 13 Euro pro Fahrt übernimmt – ergänzt durch einen einheitlichen Kilometersatz. Das soll Leerfahrten reduzieren und Wartezeiten optimieren. Klingt gut für die Verwaltung – schlecht für die Fahrer. Viele von ihnen fürchten massive Einkommenseinbußen und eine Entwertung ihres Berufsbilds. Manche sprechen sogar von einem möglichen Aussterben kleinerer Taxiunternehmen.

Ein Gespräch mit Premierminister François Bayrou am vergangenen Wochenende brachte zwar erste Dialogversprechen – doch das Vertrauen scheint gestört. Die Fahrer bleiben stur auf Kurs: weiter im Protest, zumindest bis zum geplanten Parlamentsentscheid am Dienstag.

Gewerkschaften im Rückspiegel – aber ganz vorn dabei

Rückenwind erhalten die streikenden Fahrer von den wichtigsten Taxi-Verbänden, allen voran der Fédération nationale du taxi (FNDT). Deren Generalsekretär Dominique Buisson machte klar: Sollte es keine konkreten Lösungen geben, werde der Protest nicht nur fortgesetzt, sondern noch verschärft. Die Basis sei kampfbereit – notfalls auch über Wochen.

Ein Land im Stau – und was machen die Fahrgäste?

Während die Fahrer auf ihre Zukunft pochen, stehen andere im Dauerstau. Besonders an Flughäfen und Bahnhöfen herrschte Chaos: verpasste Flüge, abgesagte Termine, genervte Pendler. Behörden rieten dazu, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder gleich im Homeoffice zu bleiben. In der Moselle empfahl die Präfektur sogar offiziell, betroffene Regionen großräumig zu umfahren – sofern man nicht gerade fliegen oder gebären musste.

Ein Pulverfass mit Zündschnur

Diese Protestwelle kommt nicht aus dem Nichts. Sie fügt sich nahtlos in eine Reihe sozialer Spannungen ein, die Frankreich seit Monaten beschäftigen. Erst Landwirte, dann Lehrer – jetzt die Taxifahrer. Das Land wirkt wie ein Pulverfass, dessen Lunte schon qualmt. Kommt jetzt noch ein Funkenschlag hinzu?

Der Ausgang dieser Mobilisierung ist offen. Doch eines steht fest: Die Taxifahrer haben mit ihren Protesten nicht nur die Straßen blockiert, sondern auch eine politische Debatte entfacht. Bleibt zu hoffen, dass daraus mehr als ein weiterer zäher Kompromiss entsteht – sondern eine Lösung, die weder Fahrer noch Fahrgäste auf der Strecke lässt.

Von C. Hatty

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