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Auf den Spuren der Römer: Sensationsfund in Alès enthüllt prachtvolle Mosaikkunst

Ein leises Klirren, das Kratzen der Kellen im Erdreich – und dann dieser Moment, in dem das Licht erstmals wieder auf ein Kunstwerk fällt, das Jahrhunderte unberührt geschlummert hat. Genau das erlebten Archäologen kürzlich auf der Colline de l’Ermitage bei Alès im südfranzösischen Gard. Dort kam eine antike Mosaikfläche zum Vorschein, die nicht nur mit…

Mosaik Römervilla in Alés (Screenshot Youtube)

Ein leises Klirren, das Kratzen der Kellen im Erdreich – und dann dieser Moment, in dem das Licht erstmals wieder auf ein Kunstwerk fällt, das Jahrhunderte unberührt geschlummert hat. Genau das erlebten Archäologen kürzlich auf der Colline de l’Ermitage bei Alès im südfranzösischen Gard.

Dort kam eine antike Mosaikfläche zum Vorschein, die nicht nur mit ihrer Schönheit beeindruckt, sondern auch eine Geschichte erzählt, die bis in die römische Antike zurückreicht.

Ein Teppich aus Stein: Die Mosaik-Entdeckung

Mitten in einer einst prachtvollen Villa, deren Grundfläche sich über stolze 750 Quadratmeter erstreckt, entdeckten die Forscher eine 4,50 mal 3,80 Meter große polychrome Mosaikfläche. Ihr Herzstück: geometrische Geflechte, kunstvoll gelegt aus weißen und schwarzen Tesserae (kleine quadratischen Steine oder Glasstücke, aus denen Mosaike zusammengesetzt sind), akzentuiert durch rote und gelbe Farbtupfer.

Besonders spannend: Experten prüfen derzeit, ob der rote Farbton auf Cinabarit, also Zinnoberrot, zurückgeht – ein Mineralpigment, das in der Antike als besonders luxuriös und kostbar galt. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, würde dies die herausragende soziale Stellung der damaligen Hausherren noch deutlicher unterstreichen.

Rätselhafte Zonen ohne Dekor

Doch das Mosaik birgt noch weitere Geheimnisse. Zwei Zonen, bestehend aus rein weißen Steinen ohne ornamentale Muster, geben den Forschern Rätsel auf. Waren sie für Alkoven reserviert? Dienten sie als Untergrund für Sitzbänke oder Podeste? Antworten darauf sollen die laufenden Analysen liefern.

Ein anderes Detail wirkt beinahe wie eine geheime Signatur: An einer Seite des Bodendekors erscheint eine Kreuzform aus weißen Tesserae auf schwarzem Grund, eingefasst von einer weißen Linie. Dieses Motiv könnte laut Archäologen eine Durchgangsöffnung zu einem angrenzenden Raum markieren – gewissermaßen ein steinerner Wegweiser im Privatpalast der Antike.

https://twitter.com/labadiejean22/status/1938155957281812792

Leben und Sterben auf der Colline de l’Ermitage

Die Colline de l’Ermitage ist kein Ort flüchtiger Siedlungsgeschichte, sondern war über viele Generationen hinweg belebt. Die aktuellen Grabungen förderten Spuren einer durchgehenden Nutzung von mindestens dem 2. Jahrhundert vor Christus bis ins 6. Jahrhundert nach Christus zutage.

Vier Felswohnungen mit raffinierten Wassermanagementsystemen belegen das technische Wissen ihrer Erbauer. Die Böden dieser Behausungen ruhen auf einer Schicht aus verbrannten Materialien und sind anschließend mit Kalksteinplatten oder Kalkmörtelbelägen ausgestattet – eine Bauweise, die sowohl Stabilität als auch Feuchtigkeitsschutz bot.

Nicht weit von der Mosaikvilla entfernt entdeckten die Archäologen zudem ein Gräberfeld mit zehn Bestattungen aus der Spätantike. Die Toten lagen, dem westlichen Horizont zugewandt, teilweise unter steinernen Abdeckungen. Radiokarbondatierungen sollen demnächst präzise Aufschlüsse über das Alter dieser Gräber liefern – und damit ein weiteres Kapitel der Ortsgeschichte öffnen.

Für Alès ist dieser Fund nicht der erste archäologische Paukenschlag. Bereits 2008 legten Forscher auf derselben Anhöhe das größte je in Frankreich entdeckte Mosaik frei. Es zierte eine prunkvolle gallische Residenz aus der Zeit Julius Cäsars und belegte die Bedeutung des oppidum, einer befestigten keltisch-römischen Siedlung, in dieser Epoche.

Der Weg vom Erdreich ins Museum

Was nun mit der neu entdeckten Mosaikfläche geschieht, darüber beraten Fachleute derzeit. Sicher ist: Ihr außergewöhnlicher Erhaltungszustand bietet beste Chancen auf eine museale Präsentation. Vielleicht steht Alès bald ein neuer Besuchermagnet ins Haus – ein Ort, an dem Menschen eintauchen in die Farbwelten römischer Wohnkultur.

Wann hat man schon Gelegenheit, auf Augenhöhe mit römischen Baumeistern zu stehen und ihre Mosaikteppiche Stein für Stein nachzuspüren?

Autor: Daniel Ivers

https://www.youtube.com/watch?v=OCD5lsUVDoY

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