L'Isle-sur-la-Sorgue – 19.09.2026: François Bayrou hat seine Forderung nach einer gemeinsamen Vorwahl für die politische Mitte Frankreichs erneuert. Zum Auftakt der Herbsttagung seiner Partei Mouvement démocrate im Département Vaucluse plädierte er am Freitag für ein Verfahren, das Bewerber von der gemäßigten Rechten bis zur gemäßigten Linken einbeziehen soll.
Bayrou begründet den Vorschlag mit der drohenden Zersplitterung des gemäßigten Lagers vor der Präsidentschaftswahl 2027. Seine Vorstellung reicht über die Parteien des bisherigen Regierungs- und Mittebündnisses hinaus: Sozialdemokraten, Liberale und kooperationsbereite Gaullisten sollen einen gemeinsamen Kandidaten bestimmen können. Die Kräfte an den politischen Rändern wären ausgeschlossen.
Der frühere Premierminister hatte die Idee bereits im Sommer vorgebracht. Nun verknüpfte er sie mit den früh einsetzenden Kandidaturbewegungen. Édouard Philippe, Vorsitzender von Horizons, und Gabriel Attal von Renaissance treten im zentralen Lager als Bewerber hervor. Bayrou hält ihre parteiintern begründeten Kandidaturen für unzureichend legitimiert und verlangt ein Auswahlverfahren mit einer breiteren politischen Basis.
Zusätzliches Gewicht erhielt die Tagung durch die Teilnahme Bernard Cazeneuves. Der frühere sozialistische Premierminister warb ebenfalls dafür, gemäßigte Kräfte zusammenzuführen, legte sich jedoch nicht auf eine Vorwahl fest. Darin liegt der zentrale Konflikt: Ein gemeinsamer Kandidat könnte die Chancen des Lagers im ersten Wahlgang verbessern. Das Verfahren würde jedoch den Einfluss und die Eigenständigkeit der beteiligten Parteien berühren.
Édouard Philippe hatte zuvor vorgeschlagen, Vertreter der Mitte und der rechten Mitte zu Gesprächen über eine gemeinsame Strategie zusammenzubringen. Gabriel Attal und Bruno Retailleau von den Republikanern reagierten zurückhaltend. Attal will die Frage einer möglichen Vorwahl erst Anfang 2027 behandeln. Zwischen Renaissance, Horizons, MoDem und den konservativen Kräften bestehen somit weiterhin erhebliche Differenzen über Zeitplan, Teilnehmerkreis und politische Reichweite eines Zusammenschlusses.
Bayrous Konzept geht über eine Abstimmung der bisherigen Regierungsparteien hinaus. Der von ihm beschriebene Block soll Wähler der gemäßigten Linken ebenso erreichen wie jene der konservativen Mitte. Damit versucht er, die seit den Parlamentswahlen stärker fragmentierte Parteienlandschaft vor dem ersten Wahlgang neu zu ordnen. Offen ist allerdings, nach welchen Regeln eine solche Vorwahl stattfinden und wer über die Zulassung der Bewerber entscheiden würde.
Eine formelle Vereinbarung gibt es bislang nicht. Die Herbsttagung des MoDem in L'Isle-sur-la-Sorgue dauert vom 18. bis zum 20. September. Neben Vertretern der politischen Mitte nehmen auch Politiker anderer gemäßigter Strömungen teil. Bayrous erneuter Vorstoß macht die Kandidatenkür damit bereits deutlich vor dem offiziellen Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs zu einer Machtfrage innerhalb des gemäßigten Lagers.
Quellen
- AFP via Boursorama
- Le Monde
- Public Sénat
- Mouvement démocrate
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).