Paris – 22.09.2026: Die französische Sektion des Internationalen Gefängnisobservatoriums hat am Dienstag einen Bericht über die Inhaftierung von Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren veröffentlicht. Nach einjähriger Untersuchung kommt die Nichtregierungsorganisation zu dem Schluss, dass der Anspruch einer vorrangig erzieherischen Haft in der Praxis vielfach nicht eingelöst werde. Sie kritisiert vor allem lange Einschlusszeiten, eingeschränkte Bildungsangebote und einen erschwerten Zugang zu medizinischer Versorgung.
Nach Angaben des Observatoriums werden in Frankreich jährlich rund 3.000 Jugendliche inhaftiert. Sie sind in 41 Jugendabteilungen regulärer Haftanstalten sowie in sechs speziellen Jugendgefängnissen untergebracht. Viele Betroffene hätten bereits vor ihrer Inhaftierung Armut, familiäre Brüche, Gewalt, Schulabbrüche oder psychische Belastungen erlebt. Der Bericht stützt sich auf Gespräche mit früher Inhaftierten, Angehörigen und Fachkräften sowie auf Erhebungen vor Ort und die Auswertung von Dokumenten.
Die speziellen Jugendgefängnisse gehen auf eine Reform von 2002 zurück und wurden ab 2007 eröffnet. Sie sollten eine intensivere pädagogische Betreuung ermöglichen als die herkömmlichen Jugendabteilungen. Dem Bericht zufolge bestimmen jedoch häufig Sicherheitsvorgaben den Alltag. Unterricht, Freizeitangebote und sozialpädagogische Arbeit würden dadurch zurückgedrängt. Das Observatorium sieht darin einen grundlegenden Widerspruch zum Bildungs- und Resozialisierungsauftrag der Einrichtungen.
Zudem warnt die Organisation vor den Folgen von Isolation und belastenden Erfahrungen während der Haft. Bereits vorhandene Probleme könnten sich dadurch verschärfen. Auch das französische Justizministerium hatte 2023 in einer soziologischen Untersuchung festgestellt, dass Freiheitsentzug für Minderjährige wegen der Lebensbedingungen und des Verlusts an Selbstwert eine schmerzhafte Erfahrung sein könne. Die Folgen unterschieden sich allerdings nach Haftbedingungen, sozialer Vorgeschichte und Dauer der Inhaftierung.
Ähnliche Defizite hatte die französische Menschenrechtsbeauftragte benannt. Zum 1. Januar 2025 befanden sich nach ihren Angaben 745 Minderjährige in französischen Gefängnissen; pro Jahr wurden etwa 3.000 Haftanordnungen gegen Minderjährige erlassen. Die Behörde fordert, Freiheitsentzug bei Jugendlichen nur als Ausnahme einzusetzen. Als besonders problematisch gelten Lücken beim Zugang zu Schule, Sport, Kultur, Gesundheitsversorgung und familiären Kontakten.
Das Gefängnisobservatorium verlangt nun eine grundsätzliche Neubewertung der Jugendhaft. Gefängnisverwaltung, Jugendgerichtshilfe, Schulen und medizinische Dienste müssten ihre Arbeit stärker am individuellen Bedarf der Jugendlichen ausrichten. Die Menschenrechtsbeauftragte fordert ebenfalls verbindliche Absprachen zwischen den zuständigen Stellen. Ziel sei, Bildungs-, Gesundheits- und Familienrechte auch während der Haft zu gewährleisten. Nach Einschätzung beider Organisationen scheitert dies derzeit vielerorts an der unzureichenden Koordination der beteiligten Dienste und am Vorrang des Gefängnisbetriebs vor pädagogischen Aufgaben.
Quellen
- Franceinfo
- Observatoire international des prisons – section française
- Défenseur des droits
- Ministère de la Justice
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).