In der kleinen Gemeinde Bidart an der baskischen Küste brodelt es – aber diesmal nicht wegen der Atlantikwellen, sondern wegen einer politischen Entscheidung, die für Aufsehen sorgt. Im Juni 2025 hat die Kommune beschlossen, in ihrer geplanten Wohnsiedlung „Horizon Trois Couronnes“ Zweitwohnungen komplett zu verbieten. Ein mutiger Schritt in Zeiten wachsender Wohnungsnot.
Warum diese Maßnahme so dringend war
Fast ein Drittel der Häuser in Bidart dient derzeit nicht dem dauerhaften Wohnen, sondern wird als Ferien- oder Zweitwohnung genutzt. Das treibt nicht nur die Preise in die Höhe, sondern bringt die soziale Struktur des Dorfs ins Wanken. Wer hier leben will, muss sich inzwischen warm anziehen – und das nicht nur wegen des atlantischen Winds.
Die Gemeinde will mit diesem Verbot eine klare Grenze ziehen: Bidart soll kein Ferienpark für Wohlhabende werden, sondern ein lebendiges Dorf bleiben, in dem Menschen das ganze Jahr über leben und arbeiten können. Ziel ist, den Dauerbewohnern wieder bezahlbaren Wohnraum zu sichern und gleichzeitig die Dorfkultur zu bewahren.
Die rechtliche Keule mit Präzision geführt
Bidarts Entscheidung stützt sich auf die sogenannte Echaniz-Le Meur-Gesetzgebung. Diese erlaubt es Gemeinden in angespannten Wohngebieten, strengere Regeln für die Nutzung von Wohnraum einzuführen. Die Communauté d’Agglomération Pays Basque (CAPB) hat das bereits 2023 umgesetzt: Wer eine Wohnung zu einer Touristenunterkunft umwandeln möchte, muss dafür ein Ausgleichsobjekt – zum Beispiel ein ehemaliges Büro – zu Wohnraum umbauen.
Diese sogenannte Kompensationsregelung erschwert nicht nur die Umnutzung, sie macht sie für viele schlichtweg unattraktiv. Ein echter Hebel, um die Zweckentfremdung von Wohnraum einzudämmen.
Ein regionales Echo – Bidart ist kein Einzelfall
Bidart steht mit dieser Entscheidung nicht allein. Auch Anglet, Bayonne, Biarritz und Boucau haben Maßnahmen getroffen, um der Wohnraumspekulation Einhalt zu gebieten. Die Region spannt somit ein Netz gemeinsamer Verantwortung – eine Art Küstenschutz für Menschen statt nur für Landschaften.
Gerade an der touristisch stark nachgefragten Atlantikküste wird diese Koordination immer wichtiger. Sonst droht ein Szenario, das mancherorts in Südfrankreich schon Realität ist: Orte, die außerhalb der Saison wie ausgestorben wirken, weil kaum jemand dauerhaft dort lebt.
Nicht alle jubeln – die Schattenseite des Verbots
Natürlich ist nicht jeder begeistert von Bidarts Initiative. Besonders in der Tourismusbranche schrillen die Alarmglocken. „Was, wenn weniger Besucher kommen, weil es weniger Ferienwohnungen gibt?“ fragen sich Hoteliers und Geschäftsleute.
Gleichzeitig gibt es Stimmen, die sagen: Vielleicht ist genau das nötig, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Denn wenn Orte nur noch Kulisse für Postkarten sind, verlieren sie ihren Charakter – und auf lange Sicht auch ihre Attraktivität.
Ein kleines Dorf setzt ein großes Zeichen
Bidarts Entscheidung ist weit mehr als Symbolpolitik. Sie ist ein konkreter Akt gegen eine Entwicklung, die viele Kommunen an ihre Grenzen bringt. Das geplante Wohngebiet „Horizon Trois Couronnes“ steht dabei exemplarisch für einen anderen Weg – einen, bei dem das soziale Miteinander, die Zugänglichkeit von Wohnraum und das echte Leben vor Ort im Mittelpunkt stehen.
Man fragt sich fast unweigerlich: Was wäre, wenn mehr Orte diesen Weg gingen?
Denn eines ist klar: Der Kampf gegen Wohnungsnot beginnt nicht in Paris – sondern in Dörfern wie Bidart, die den Mut aufbringen, Dinge anders zu machen.
Von Daniel Ivers