Gerade als das Bio-Label AB in Frankreich seinen 40. Geburtstag feiern will, kommt der Paukenschlag: Das Landwirtschaftsministerium streicht der Agence Bio, der zentralen Institution zur Förderung von Biolandbau, satte 15 Millionen Euro aus dem Budget. Und das mitten in einer Zeit, in der Umweltbewusstsein und gesunde Ernährung mehr zählen sollten denn je.
Ein Schlag ins Gesicht der Bio-Branche
Fünf Millionen Euro weniger für Kommunikation – das bedeutet: Kein Geld mehr für Kampagnen, die erklären, warum Bio mehr ist als nur ein Siegel. Und fast zehn Millionen Euro weniger für den Fonds Avenir Bio – jenes Förderinstrument, das neue Bio-Projekte in Frankreich unterstützt. Statt 18 Millionen Euro stehen für 2025 nur noch 8,6 Millionen bereit.
Klingt das nach Prioritätensetzung?
Die Kampagne „C’est bio la France“, die eigentlich den Bio-Konsum wieder ankurbeln sollte, ist damit weitgehend lahmgelegt. Für dieses Jahr sind zwar noch zwei Werbewellen geplant, aber danach? Hängt alles in der Luft. Die Verantwortlichen der Agence Bio stehen vor einem finanziellen Abgrund – ohne Netz und doppelten Boden.
60.000 Bio-Höfe – und kein Rückenwind?
Während der französische Staat kürzlich 30 Millionen Euro zur Rettung der Haselnussproduktion mobilisierte – eine Branche mit gerade mal 350 Betrieben – bleiben für die über 60.000 Bio-Bauernhöfe kaum Mittel übrig. Ein Fakt, den Loïc Madeline von der Fédération nationale d’agriculture biologique (Fnab) öffentlich anprangerte.
Er fragt sich – wie viele andere – warum für eine kleine Nischenproduktion Geld da ist, aber für eine nachhaltige Landwirtschaft mit großer Wirkung nicht. Und das, obwohl Bio-Landbau nicht nur gesunde Lebensmittel liefert, sondern auch Böden schont und Biodiversität fördert.
Regierungsziel auf wackligem Fundament
Offiziell will Frankreich bis 2027 rund 18 Prozent seiner landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaften lassen. Derzeit liegt der Anteil bei etwa 10 Prozent. Doch mit einem Budgetabbau von 64 Prozent bei der Agence Bio rückt dieses Ziel in weite Ferne.
Denn wie soll der Wandel gelingen, wenn das wichtigste Sprachrohr der Branche verstummt? Wenn keine Mittel mehr da sind, um Bio-Betriebe zu unterstützen oder Verbraucher zu informieren?
Wird die Agence Bio abgewickelt?
Ein weiteres Damoklesschwert: Die Zukunft der Agence Bio selbst. Ihre Direktorin Laure Verdeau muss demnächst vor dem Senat Rede und Antwort stehen. Dort will man klären, ob die Behörde in ihrer jetzigen Form überhaupt noch gebraucht wird – oder ob sie mit einer anderen Einrichtung verschmolzen oder gar abgeschafft wird.
Man könnte fast meinen, Bio sei der Regierung lästig geworden.
Dabei ist die Agence Bio seit ihrer Gründung 2001 ein Motor der nachhaltigen Entwicklung gewesen. Sie koordinierte Projekte, informierte Verbraucher, gab der Branche eine Stimme. Ihre Zerschlagung käme einem Offenbarungseid gleich.
Bio-Werbung à la Ministère?
Schon im April gab es Ärger um die geplante Bio-Werbekampagne. Der ursprüngliche Spot mit Couscous und einem Schauspieler mit Migrationshintergrund wurde nach Intervention des Ministeriums geändert – nun heißt das Gericht Cassoulet, die Darsteller „caucasian“. Die offizielle Begründung: Man wolle „alle Franzosen ansprechen“.
Wirklich?
Diese Entscheidung war nicht nur ein PR-Desaster, sondern offenbart auch eine seltsame Vorstellung davon, wer Bio isst – oder essen soll.
Zwischen Spardruck und Ideologie?
Natürlich ist der Staatshaushalt angespannt. Der Plan de relance – das Konjunkturprogramm – läuft aus, und auch bei der ökologischen Planung wird der Gürtel enger geschnallt. Doch Bio-Landwirte zum Bauernopfer zu machen, wirkt wie ein politisches Armutszeugnis.
Denn wer Bio sagt, meint nicht nur „ohne Pestizide“. Bio bedeutet: Zukunft. Schutz unserer Ressourcen. Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Und mal ehrlich – wenn Frankreich auf dem Papier an seinen Bio-Zielen festhält, aber in der Praxis das Geld streicht, bleibt das nicht nur widersprüchlich. Es wirkt auch feige.
Ein bisschen so, als würde man ein Haus bauen wollen, aber beim Fundament sparen.
Und jetzt?
Die nächsten Monate dürften für die Agence Bio und die Bio-Landwirtschaft in Frankreich entscheidend werden. Die Branche braucht mehr als warme Worte – sie braucht echte Unterstützung.
Denn die Frage ist nicht, ob sich Bio lohnt.
Sondern ob wir es uns leisten können, darauf zu verzichten.
Von C. Hatty