Paris – 09.09.2026: Nach der Veröffentlichung der Pisa-Studie 2025 hat der frühere französische Bildungsminister Jean-Michel Blanquer vor den Folgen intensiver Bildschirmnutzung und sozialer Netzwerke für den Lernerfolg gewarnt. Zugleich wandte sich der Präsident des Laboratoire de la République gegen Resignation. Frankreich müsse die Verschlechterung ernst nehmen, dürfe daraus aber keinen bildungspolitischen Fatalismus ableiten.
Die am 8. September veröffentlichte Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erfasste mehr als 760.000 Fünfzehnjährige in 91 Ländern und Volkswirtschaften. Der Schwerpunkt lag auf den Naturwissenschaften; geprüft wurden außerdem Lesen, Mathematik und das Lösen von Problemen in digitalen Zusammenhängen. Pisa misst somit weniger die Beherrschung einzelner Lehrpläne als die Fähigkeit, Wissen auf konkrete Aufgaben anzuwenden.
Für Frankreich fielen die Ergebnisse in Mathematik und Lesen niedriger aus als 2022, während sie in den Naturwissenschaften annähernd stabil blieben. Die französischen Schülerinnen und Schüler erreichten im Durchschnitt 458 Punkte in Mathematik, 456 im Lesen und 483 in Naturwissenschaften. Damit liegt Frankreich in den Naturwissenschaften nahe am Durchschnitt der Mitgliedstaaten, doch der längerfristige Trend weist deutlich nach unten.
Das wird vor allem im Vergleich mit 2015 sichtbar. Nach Angaben der Organisation stieg der Anteil französischer Jugendlicher unterhalb der grundlegenden Kompetenzstufe seitdem um zwölf Prozentpunkte in Mathematik, um elf Punkte im Lesen und um vier Punkte in den Naturwissenschaften. Lediglich fünf Prozent der französischen Teilnehmer erreichten in Mathematik die beiden höchsten Leistungsstufen; im Durchschnitt der Mitgliedstaaten waren es acht Prozent.
Blanquer nennt digitale Medien als einen Faktor unter mehreren. Die internationale Untersuchung beschreibt einen Zusammenhang zwischen längerer Bildschirmzeit, seltenerem freiwilligem Lesen und schwächeren Leseleistungen. Ein unmittelbarer Nachweis, dass soziale Netzwerke den Leistungsabfall verursachen, ergibt sich daraus allerdings nicht. In den Ergebnissen spiegeln sich auch Unterschiede zwischen den Schulsystemen, die soziale Herkunft der Jugendlichen und Folgen der Pandemie.
Der Rückgang reicht zudem weit über Frankreich hinaus. In den Mitgliedstaaten der Organisation sanken die Leistungen zwischen 2015 und 2025 besonders im Lesen und in Mathematik. Frankreichs Verlust gegenüber den eigenen früheren Ergebnissen bleibt dennoch ein nationales Problem, weil mehrere Kompetenzbereiche betroffen sind.
Damit wächst der politische Druck, an den Collèges die Grundlagen in Lesen und Mathematik zu stärken, leistungsschwache Schüler gezielter zu fördern und den Umgang mit digitalen Geräten verbindlicher zu regeln. Die soziale Kluft ist beträchtlich: In den Naturwissenschaften lagen begünstigte französische Jugendliche durchschnittlich 100 Punkte vor benachteiligten Gleichaltrigen.
Quellen
- Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Pisa 2025, Ländernotiz Frankreich
- Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Pressemitteilung zu Pisa 2025
- Französisches Bildungsministerium: Dossier zu Pisa 2025
- France 24 via Boursorama: Interview mit Jean-Michel Blanquer
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).