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Bourges boomt – Wie eine französische Kleinstadt zum Rüstungszentrum Europas wird

In Zeiten, in denen die Weltordnung ins Wanken gerät, zeigt sich, wie wichtig ein starker industrieller Rückhalt sein kann – und Bourges, die Hauptstadt des Departements Cher, ist dafür das beste Beispiel. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 hat sich die französische Rüstungsindustrie rasant gewandelt. Während viele Regionen sich mühsam von den wirtschaftlichen Folgen…

Caesar-Haubitze (Wikipedia)

In Zeiten, in denen die Weltordnung ins Wanken gerät, zeigt sich, wie wichtig ein starker industrieller Rückhalt sein kann – und Bourges, die Hauptstadt des Departements Cher, ist dafür das beste Beispiel.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 hat sich die französische Rüstungsindustrie rasant gewandelt. Während viele Regionen sich mühsam von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholen, erlebt Bourges eine industrielle Renaissance, die ihresgleichen sucht.

Wo früher Flaute herrschte, herrscht heute Hochbetrieb

Die Produktionshallen brummen, Auftragsbücher platzen aus allen Nähten – die Nachfrage nach Waffen, Munition und Hochtechnologie steigt rasant. Insbesondere zwei Unternehmen stehen im Rampenlicht: KNDS (früher Nexter), bekannt für seine Caesar-Haubitzen, und MBDA, Spezialist für Luftabwehr- und Panzerabwehrraketen.

Ein beachtlicher Teil dieser Produktion geht direkt an die ukrainische Armee. Laut Angaben von KNDS sind rund 90 % der hergestellten Caesar-Geschütze für den Einsatz in der Ukraine bestimmt. MBDA wiederum liefert Präzisionswaffen, die im Kriegsgeschehen immer häufiger eine entscheidende Rolle spielen.

Und was bedeutet das für die Stadt selbst? Bourges lebt auf, in einem Tempo, das viele überrascht.

Mehr Arbeit als Hände – der Arbeitsmarkt unter Strom

Mit dem Produktionshoch kommt der Personalbedarf. Doch genau hier liegt auch das größte Problem: Der Fachkräftemangel. Gesucht werden vor allem Schweißer, Zerspanungstechniker und hochspezialisierte Fachkräfte, die sich mit modernen Waffensystemen auskennen.

Einige Unternehmen – darunter auch internationale wie der tschechische Konzern PBS – haben kurzerhand eigene Ausbildungszentren gegründet. Eine Art Schnellkurs zur Kriegswirtschaft, wenn man so will. KNDS hat auf seinem Hauptgelände in Bourges jedes Jahr seine Belegschaft um satte 50 % aufgestockt – eine Zahl, die staunen lässt.

Staatlicher Rückenwind mit ordentlichem Nachdruck

Auch politisch wird ordentlich Tempo gemacht. Verteidigungsminister Sébastien Lecornu lässt keinen Zweifel daran, dass er zur Not auch drastische Maßnahmen ergreifen würde. Die Rede ist von möglichen Requirierungen – sowohl von Arbeitskräften als auch von Material.

Der Staat hat seine Bestellungen massiv erhöht: Über 30 Milliarden Euro sind in die Industrie geflossen, 20 Milliarden davon allein im Jahr 2023. Ein Geldregen für die Branche – aber auch ein deutliches Zeichen, wohin Frankreichs strategische Reise geht.

Rückbesinnung auf alte Stärke – und neue Herausforderungen

Bourges hat Tradition in Sachen Militär. Schon im 19. Jahrhundert war die Stadt ein Militärstandort. Heute erlebt sie eine Art Rückkehr zu den Wurzeln – allerdings mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: Digitalisierung, Fachkräftemangel, geopolitische Instabilität.

Wie aber schafft man es, junge Menschen für diese Berufe zu begeistern? Das Image der Industrie war lange verstaubt, körperlich hart, schlecht bezahlt. Nun – unter dem Druck globaler Ereignisse – erlebt die Rüstungsindustrie eine Aufwertung. Plötzlich gelten Berufe in der Rüstungsbranche als systemrelevant, krisensicher und zukunftsträchtig.

Ein Modell für andere Regionen?

Was in Bourges passiert, ist kein Einzelfall – aber es ist ein Lehrstück. Eine Stadt, die sich binnen weniger Jahre vom Rand ins Zentrum wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Debatten katapultiert hat.

Bleibt nur die Frage: Ist das nachhaltig?

Denn ohne langfristige Strategie für Ausbildung, Integration und Innovation droht die Euphorie schnell zu verpuffen. Die Unternehmen stehen in der Pflicht, nicht nur für schnelle Aufrüstung zu sorgen, sondern auch dafür, dass das industrielle Comeback von Dauer ist.

Und vielleicht fragt sich mancher in Frankreich – oder auch darüber hinaus – bereits: Wenn Bourges das kann, warum nicht auch andere Städte?

Von C. Hatty

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