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Brennende Boote und ein schwelender Verdacht – Korsikas Küsten unter Beschuss

Still und bedrohlich zugleich liegt der Hafen von Saint-Florent im Morgengrauen des 25. Juni. Was einst glitzerte, raucht nun: Drei Boote – zwei davon gehörten zu einer Firma für Touristenfahrten – sind in der Nacht lichterloh abgebrannt. Es ist kein Einzelfall, sondern der neueste Vorfall in einer besorgniserregenden Serie gezielter Brandanschläge auf See- und Freizeitschiffe…

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Still und bedrohlich zugleich liegt der Hafen von Saint-Florent im Morgengrauen des 25. Juni. Was einst glitzerte, raucht nun: Drei Boote – zwei davon gehörten zu einer Firma für Touristenfahrten – sind in der Nacht lichterloh abgebrannt. Es ist kein Einzelfall, sondern der neueste Vorfall in einer besorgniserregenden Serie gezielter Brandanschläge auf See- und Freizeitschiffe rund um die Mittelmeerinsel.

Die korsische Tourismusbranche steht unter Schock – und unter Druck.

Flammenmeer statt Ferienidylle

Seit Monaten schon häufen sich auf Korsika die Meldungen über nächtliche Feuer, bei denen Boote mutwillig zerstört werden. Besonders betroffen: beliebte Urlaubsorte wie Calvi, Ajaccio und jetzt Saint-Florent.

Anfang Juni brannten in Calvi fünf Schlauchboote und ein Katamaran. Im Mai fiel ein weiteres Boot im Golf von Ajaccio einem ähnlichen Anschlag zum Opfer.

Der rote Faden? Fast alle betroffenen Boote dienten dem maritimen Tourismus – einem der wirtschaftlichen Herzstücke der Insel.

Und: Viele von ihnen lagen nicht frei zugänglich im Hafen, sondern sicher verwahrt in Werften oder abgesperrten Arealen. Zufall? Kaum.

Die Ermittlungen laufen. Die Staatsanwaltschaft in Bastia ermittelt wegen „Zerstörung durch gefährliche Mittel in organisierter Bande“. Zuständig ist die interdépartementale Polizei Haute-Corse – ein Hinweis darauf, dass hier keine Einzelgänger am Werk sind.

Der Verdacht: organisierte Kriminalität.

Ein Verdacht, den der bekannte korsische Anti-Mafia-Verein „Maffia No, a vita ié“ teilt. Man spricht dort offen von „Attentaten“, von Einschüchterung, Sabotage – und dem Versuch, Unternehmen wirtschaftlich in die Knie zu zwingen.

Aber warum?

Geld, Macht und das Meer

Der korsische Bootstourismus ist nicht nur schön – sondern lukrativ. Und damit für mafiöse Netzwerke interessant. Ein Brancheninsider bringt es auf den Punkt: Boote sind mobil, teuer, schwer zu kontrollieren. Ideal für Geldwäsche. Ideal für die Etablierung verborgener Strukturen.

Schon in den 1990er- und 2000er-Jahren brodelte es in den Häfen der Insel. Damals eskalierten Rivalitäten zwischen Ausflugsboot-Firmen – nicht selten mit Gewalt. Dass sich die Geschichte nun wiederholt, erfüllt viele mit Sorge.

Die Tourismusbranche – im Ausnahmezustand

Korsikas Wirtschaft ist vom Tourismus abhängig. Vor allem im Sommer, wenn die Insel zur Postkartenidylle für hunderttausende Besucher wird. Die Boote, die von Hafen zu Hafen, von Fels zu Fels, von Grotte zu Grotte fahren, sind nicht nur Attraktion – sie sind Lebensgrundlage für viele Familien. Die Handelskammer von Korsika warnt bereits vor einem „wirtschaftlichen Absturz“ und einem Klima der Anarchie, wenn diese Gewalt nicht gestoppt wird.

Denn wer investiert noch in eine Branche, die nachts in Flammen aufgeht?

Die Rufe der Betroffenen sind klar: mehr Schutz, mehr Aufklärung, mehr Präsenz der Sicherheitskräfte in den Häfen. Kameras, Patrouillen, Ermittler. Alles, was hilft, um den Tätern das Handwerk zu legen.

„Wir fühlen uns allein“, sagte ein Bootsanbieter aus Calvi der Presse. „Erst war es der Virus, jetzt das Feuer.“

Dabei hätte der Sommer 2025 ein strahlender Neuanfang sein sollen – nach den Pandemie-Jahren, nach wirtschaftlichen Rückschlägen. Doch jetzt droht ein anderes Virus: das der Angst.

Eine Frage, die bleibt

Wer hat ein Interesse daran, den Tourismus auf Korsika zu sabotieren? Ist es reine Konkurrenz? Ein mafiöses Monopolstreben? Oder steckt politischer Protest dahinter, wie ihn Korsika immer wieder erlebt?

Antworten gibt es bisher keine. Nur Hypothesen. Und rauchende Bootstrümmer im Hafen.

Für Korsika steht viel auf dem Spiel: die Sicherheit seiner Häfen, die Zukunft ganzer Existenzen, das Bild der Insel in der Welt. Es ist höchste Zeit, dass Behörden, Politik und Justiz gemeinsam handeln – entschlossen, transparent, effektiv.

Denn der Sommer hat gerade erst begonnen. Und mit ihm die Hoffnung auf ruhige See.

Autor: Daniel Ivers

Quellen
https://www.bfmtv.com/police-justice/un-climat-d-intimidation-que-se-passe-t-il-en-corse-ou-plusieurs-bateaux-de-promenade-en-mer-ont-ete-incendies_AV-202506050435.html
https://www.corsenetinfos.corsica/Nouvel-incendie-de-bateaux-a-Saint%E2%80%91Florent-trois-embarcations-detruites_a85318.html
https://marine-oceans.com/actualites/corse-des-bateaux-de-promenade-en-mer-deja-vises-de-nouveau-incendies
https://www.corsenetinfos.corsica/Trois-bateaux-incendies-a-Saint-Florent-dont-deux-appartenant-a-une-societe-deja-visee_a85318.html
https://nicepresse.com/ces-bateaux-qui-flambent-le-collectif-maffia-no-denonce-une-serie-dattaques-violentes-contre-le-tourisme-en-corse

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