Der Skandal um mutmaßliche sexuelle Gewalt im Pariser Betreuungsdienst nach Schulschluss erreicht eine neue politische und juristische Stufe. Der Verein MeTooEcole hat nach Angaben von Le Monde Strafanzeige erstattet, die sich unter anderem gegen die frühere Bürgermeisterin Anne Hidalgo, ihren Nachfolger Emmanuel Grégoire und den ehemaligen Bildungsbeigeordneten Patrick Bloche richtet. Im Kern stehen die Fragen, ob Hinweise ausreichend verfolgt und ob mögliche Straftaten angezeigt wurden.
Die Stadt Paris lässt ihre Verfahren zugleich intern untersuchen. Eine überparteiliche Informationsmission befasst sich seit Freitag mit der Einstellungspraxis für Betreuungspersonal vor 2026. Nach den zuletzt im Juni veröffentlichten Zahlen waren seit Jahresbeginn 132 Animateure suspendiert worden, darunter 52 wegen Verdachts auf sexuelle Gewalt. Die Mission soll ihre Ergebnisse bis Dezember vorlegen.
Emmanuel Grégoire soll am 8. September zunächst vor der städtischen Mission aussagen, und zwar zu seiner früheren Funktion als Beigeordneter für Personalfragen. Vor einer Senatskommission sind Anhörungen von Hidalgo, Bloche und Grégoire für den 15. und 16. September vorgesehen. Die Affäre verbindet damit die unmittelbare Sorge betroffener Familien mit der Frage nach der politischen Verantwortung über mehrere Amtszeiten hinweg.