Frankreichs Gefängnisse waren zum 1. September mit 90.020 Menschen belegt und haben damit erstmals die Schwelle von 90.000 Inhaftierten überschritten. Dem stehen 63.348 betriebsbereite Haftplätze gegenüber. Die nationale Belegungsdichte liegt nach den veröffentlichten Zahlen bei 142,1 Prozent; besonders belastet sind Untersuchungshaftanstalten und vergleichbare Einrichtungen.
8.347 Gefangene mussten auf Matratzen am Boden schlafen. Diese Zahl ist mehr als ein statistischer Rekord: Sie beschreibt den konkreten Verlust von Einzelunterbringung, Privatsphäre und angemessenen Haftbedingungen. Die Überbelegung betrifft zudem Abläufe bei medizinischer Versorgung, Betreuung und Resozialisierung, weil Personal und Räume auf eine deutlich kleinere Gefangenenzahl ausgelegt sind.
Das Justizministerium setzt auf 3.000 zusätzliche modulare Plätze, von denen 1.500 ab 2027 bereitstehen sollen. RTL verweist jedoch darauf, dass von den 15.000 zusätzlichen Plätzen eines 2018 gestarteten nationalen Programms bislang weniger als ein Drittel geliefert wurde. Die Kapazitätsplanung bleibt damit weit hinter der Dynamik der Gefangenenzahlen zurück.