Frankreichs zehnjährige Staatsanleihe hat die Schwelle von fünf Prozent überschritten, ein Niveau, das nach Darstellung von Le Figaro zuletzt im Juli 2002 erreicht worden war. An den Märkten ist diese Rendite der Preis, den der Staat für neue langfristige Kredite anbieten muss. Sie betrifft daher nicht den gesamten bestehenden Schuldenstand auf einen Schlag, verteuert aber dessen schrittweise Refinanzierung und jede zusätzliche Kreditaufnahme.
Der Anstieg fällt in eine Phase ohnehin angespannter öffentlicher Finanzen. Ein höherer Zinsdienst verengt den Spielraum für andere Ausgaben, weil der Staat einen größeren Teil seiner Einnahmen für die Bedienung seiner Schulden aufbringen muss. Zugleich wird es schwieriger, ein Budget vorzulegen, das Investoren von einer glaubwürdigen Verringerung des Defizits überzeugt.
Die Entwicklung ist auch politisch heikel. Nach den jüngsten Gewalttagen und vor der Präsidentschaftswahl 2027 beobachten Anleger, ob Frankreich handlungsfähig bleibt und eine stabile Haushaltslinie durchsetzt. Höhere Staatszinsen können sich zudem auf die Finanzierungskosten in der Wirtschaft auswirken, wenn Banken und Unternehmen sich an einem gestiegenen Zinsniveau orientieren. Die Marke von fünf Prozent wird deshalb in der Presse als Warnsignal für Regierung und Parlament behandelt.