Der Abgeordnete Sébastien Delogu musste sich am Mittwoch vor dem Strafgericht in Marseille verantworten. Nach Angaben von Le Monde geht es um die Veröffentlichung entwendeter Unterlagen in sozialen Netzwerken. Die Vorwürfe umfassen unter anderem Hehlerei, die Weitergabe persönlicher Informationen, die eine Person gefährden könnten, sowie die Verletzung des Briefgeheimnisses.
Die stellvertretende Staatsanwältin beantragte zwei Jahre Haft auf Bewährung, 10.000 Euro Geldstrafe und fünf Jahre Unwählbarkeit mit vorläufiger Vollstreckung. Eine solche Vollstreckung hätte unmittelbare politische Folgen, falls das Gericht dem Antrag folgte: Ein Rechtsmittel würde die Wirkung der Unwählbarkeit zunächst nicht automatisch aussetzen. Der Antrag der Staatsanwaltschaft ist jedoch kein Urteil und ersetzt keine gerichtliche Feststellung der Schuld.
Delogu erklärte vor Gericht laut Le Monde, er sei von seinem Umfeld schlecht beraten worden und habe unter Zeitdruck gehandelt. Der Fall trifft einen Politiker, der in Marseille zu den bekanntesten Gesichtern von La France insoumise gehört. Weitere Gerichtstermine wegen anderer Vorwürfe stehen ihm nach dem Bericht noch im November und Dezember bevor. Die Verhandlung in Marseille verbindet damit ein lokales Strafverfahren mit einer Frage von nationaler politischer Reichweite.