Brüssel – 15.09.2026: An großen Bahnhöfen, in Notunterkünften und auf der Straße beginnt der Kampf gegen den Drogenhandel lange vor der nächsten Polizeikontrolle. Brüsseler Sozialverbände berichten, kriminelle Netzwerke rekrutierten gezielt Menschen in existenzieller Not: als Boten, Beobachter oder Helfer an Verkaufsorten.
Eine aktuelle Recherche des belgischen Rundfunks RTBF beschreibt besonders die Lage rund um den Süd- und den Nordbahnhof. Dort treffen Wohnungsverlust, fehlendes Einkommen, Suchtprobleme und ein unsicherer Aufenthaltsstatus auf Gruppen, die rasch verfügbare Arbeitskräfte suchen. Gefährdet seien keineswegs allein sichtbar obdachlose Menschen, warnen Hilfseinrichtungen. Auch Bewohner besetzter Häuser sowie Menschen, die vorübergehend bei Bekannten oder in Notquartieren unterkommen, könnten unter Druck geraten.
Die belgische Regierung setzt in der Hauptstadt derweil auf stärkere Präsenz im öffentlichen Raum, technische Überwachung und eine engere Zusammenarbeit der Polizeidienste. Organisierte Kriminalität, Drogenhandel und die damit verbundene Gewalt zählen nach Angaben der Bundespolizei zu den Prioritäten des nationalen Sicherheitsplans für die Jahre 2026 bis 2029. Automatische Kennzeichenerfassung und gemeinsame Einsätze sollen Ermittlungen beschleunigen und mobile Tätergruppen früher erfassen.
Welchen Aufwand die Behörden bereits betreiben, zeigte eine groß angelegte Kontrollaktion am 28. August an mehreren bekannten Brennpunkten. Nach Angaben der Bundespolizei waren mehr als 450 Polizisten und rund 60 Soldaten beteiligt. Sie kontrollierten etwa 1.100 Menschen, 270 Fahrzeuge und 18 Geschäfte. Die Einsätze richten sich gegen Waffen, Drogenverkauf und die Gewalt, die mit dem Geschäft einhergeht.
Ermittler zerschlugen in diesem Jahr zudem ein mehrstufiges Netzwerk, das mehrere Verkaufsstellen im Brüsseler Raum versorgt haben soll. Bei einem Zugriff Ende Mai wurden laut Bundespolizei 27 Menschen festgenommen und zehn von ihnen in Untersuchungshaft genommen. Die Behörden beschlagnahmten unter anderem Cannabis, Kokain, Bargeld, Waffen, Fahrzeuge und zahlreiche Mobiltelefone. Ermittelt wurde wegen der Beschaffung, Lagerung, Verpackung und Verteilung von Drogen.
Die Hilfsorganisationen setzen früher an. Sie fordern mehr verlässliche Unterkünfte, leicht zugängliche Beratung und Unterstützung für Menschen, die durch die sozialen Sicherungssysteme fallen. Wer täglich um eine Mahlzeit oder einen Schlafplatz kämpfen müsse, sei leichter erpressbar und in seinen Entscheidungen weniger frei.
Polizeikontrollen können Verkaufsorte stören und bestehende Strukturen aufbrechen. Die Anwerbung neuer Helfer verhindern sie nach Einschätzung der Verbände jedoch nicht dauerhaft. Während die Bundespolizei den Kampf gegen die organisierte Kriminalität zur Priorität erklärt, verlangen die Hilfseinrichtungen deshalb zugleich Investitionen in Unterkünfte, Schutz und eine verlässliche soziale Begleitung.
Quellen
- Franceinfo
- RTBF
- Belgische Bundespolizei
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).