Alle Artikel

Bühne frei für die 36. Nuit des Molières: Stars, Spannung und ein Hauch Protest

Am Abend des 28. April blickt die Theaterwelt nach Paris – genauer gesagt zu den Folies Bergère, wo die 36. Nuit des Molières über die Bühne geht. Frankreichs wichtigster Theaterpreis würdigt an diesem Abend die besten Schauspieler, Inszenierungen und Produktionen des Jahres. Gastgeberin ist erneut die scharfzüngige Komikerin Caroline Vigneaux, die die Gala zum zweiten…

PICTO_LES_MOLIÈRES_OR (Wikipedia)

Am Abend des 28. April blickt die Theaterwelt nach Paris – genauer gesagt zu den Folies Bergère, wo die 36. Nuit des Molières über die Bühne geht. Frankreichs wichtigster Theaterpreis würdigt an diesem Abend die besten Schauspieler, Inszenierungen und Produktionen des Jahres. Gastgeberin ist erneut die scharfzüngige Komikerin Caroline Vigneaux, die die Gala zum zweiten Mal moderiert. Doch neben dem Glanz der großen Bühne bahnt sich auch politischer Widerstand an.

Kulturbranche in Aufruhr

Während drinnen der rote Teppich ausgerollt wird, kündigt sich draußen eine Demonstration an. Die CGT Spectacle – die Gewerkschaft für Beschäftigte der Kulturbranche – ruft zum Protest gegen die harten Budgetkürzungen im Kulturbereich auf. Ziel ihrer Aktion: ein direkter Appell an Kulturministerin Rachida Dati, die ebenfalls zur Gala geladen ist. So schwebt über dem Abend neben Lampenfieber und Glamour auch eine gewisse Spannung.

Die Favoriten: Ein Epos und ein Stück Kohle

Ein Werk sticht dieses Jahr besonders hervor: Paul Claudels monumentales Drama Der seidene Schuh (Le Soulier de satin) unter der Regie von Éric Ruf, dem Chef der Comédie-Française. Diese auf sieben Stunden verdichtete Inszenierung führt mit sechs Nominierungen das Feld an – unter anderem für das beste öffentliche Theaterstück und die beste Regie.

Knapp dahinter folgt Kohle in den Adern (Du charbon dans les veines) von Jean-Philippe Daguerre, das die bewegende Geschichte der Bergleute im Pas-de-Calais der späten 1950er-Jahre erzählt. Das Stück holte sich fünf Nominierungen, darunter ebenfalls für das beste private Theaterstück und die beste Regie im privaten Bereich. Es sind diese Geschichten von harter Arbeit und menschlichem Schicksal, die den französischen Theaterabend so besonders machen.

Klassiker, Sternenhändler und gefährliche Liebschaften

Mit jeweils vier Nominierungen mischen auch Gefährliche Liebschaften (Les Liaisons dangereuses), inszeniert von Arnaud Denis, sowie Die Sternenhändler (Les Marchands d'étoiles) von Anthony Michineau mit. Letzteres spielt in einem Pariser Stofflager im Jahr 1942 – eine Hommage an die kleinen Leute in großen Zeiten.

Schauspielkunst vom Feinsten

Das Herzstück der Molières bleibt aber die Würdigung der Schauspielkunst. In der Kategorie Beste Schauspielerin in einem privaten Theaterstück treffen Schwergewichte aufeinander: Isabelle Carré (La Serva Amorosa), Delphine Depardieu (Gefährliche Liebschaften), Estelle Meyer (Die außergewöhnliche Bestimmung der Sarah Bernhardt) und Laure Calamy (Peau d'homme). Wer hier gewinnt? Eine knifflige Frage!

Im öffentlichen Theaterbereich kämpfen unter anderem Dominique Blanc (Contre), Marina Hands (Der seidene Schuh) und Isabelle Huppert (Bérénice) um den Titel der besten Schauspielerin. Ein echtes Dream-Team, das den Jury-Entscheid nicht gerade einfacher macht.

Auch die Herren stehen dem in nichts nach: Namen wie Philippe Torreton (Der Seiltänzer), Xavier Gallais (Dom Juan) oder Denis Lavant (Endspiel) lassen Theaterherzen höher schlagen.

Humor mit Tiefgang

Besonders spannend wird es auch beim Molière de l'humour: Hier treffen Bérengère Krief (Sexe), Nora Hamzawi (Nora Hamzawi), Waly Dia (Eine Stunde totschlagen) und der viel gefeierte Paul Mirabel (Par amour) aufeinander. Wer überzeugt das Publikum und die Jury am meisten mit Witz und Charme?

Musical trifft Klassiker

Nicht zu vergessen: der Molière für das beste Musical. Zur Wahl stehen vier Produktionen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Vom Epos Les Misérables (inszeniert von Ladislas Chollat) über die freche Adaption Stolz und Vorurteil... oder fast (Orgueil et préjugés... ou presque) von Johanna Boyé bis hin zu Punk.e.s von Justine Heynemann und La Vie en vrai von Marie Fortuit. Wer schafft es, die Bühne zum Beben zu bringen?

Ein Abend der Kontraste

Die diesjährige Nuit des Molières verspricht also einiges: Große Emotionen, politisches Engagement und die Magie des Theaters. Zwischen den stolzen Nominierungen, erwartungsvollen Blicken und dem leisen Rauschen des Protests vor der Tür zeigt sich einmal mehr, wie lebendig die Kulturszene Frankreichs ist.

Und wer weiß – vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft dieses Abends: Theater lebt nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Herzen der Gesellschaft.

Von C. Hatty