Kultur

Catherine Ringer ist mit 68 Jahren gestorben

Die Stimme von Les Rita Mitsouko starb am 14. September an einer schweren Krebserkrankung. Mit Fred Chichin erweiterte sie die Grenzen des französischen Pop und Rock.

Paris – 15.09.2026: Catherine Ringer, die unverwechselbare Stimme des französischen Duos Les Rita Mitsouko, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Nach Angaben ihrer Familie erlag die Sängerin am Abend des 14. September einer rasch verlaufenden Krebserkrankung. Frankreich verliert eine Künstlerin, die zwischen rauem Aufbegehren, theatralischer Geste und zarter Melodie mühelos die Tonlage wechseln konnte.

An der Seite des Gitarristen Fred Chichin gründete Ringer Anfang der achtziger Jahre Les Rita Mitsouko. Das Duo entzog sich den vertrauten Schubladen der französischen Musik: Punk, New Wave, Pop, Funk und kabarettistische Übertreibung verbanden sich zu einem eigenwilligen Klang. Die Lieder waren eingängig, doch nie gefällig. Sie luden zum Tanzen ein und erzählten zugleich von Verlust, Begehren und der Brüchigkeit menschlicher Beziehungen.

Mit Marcia Baïla wurde die Gruppe 1985 weit über die Pariser Szene hinaus bekannt. Das Lied erinnert an die argentinische Tänzerin und Choreografin Marcia Moretto, die an Krebs gestorben war. Auch C'est comme ça, Andy und Les histoires d'amour finissent mal gehören zum festen Bestand des französischen Popgedächtnisses. Ringer verwandelte Refrains in kleine Dramen und gab selbst heiteren Melodien eine dunkle, widerspenstige Färbung.

Catherine Ringer wurde 1957 in Suresnes bei Paris geboren. Früh arbeitete sie für Theater und Film, sang und tanzte. Eine glatte Form von Seriosität, wie sie Frauen auf Bühnen lange abverlangt wurde, wies sie zurück. Diese Unabhängigkeit prägte ihre Wirkung: Ringer war exzentrisch, ohne zur Kunstfigur zu erstarren, und sinnlich, ohne sich auf ein einziges Bild festlegen zu lassen.

Als Fred Chichin 2007 starb, endete nach fast drei Jahrzehnten und sieben Studioalben die gemeinsame Geschichte von Les Rita Mitsouko. Ringer blieb auf der Bühne. Mit eigenen Projekten und Konzerten bewahrte sie die Erinnerung an ihren musikalischen Partner, ohne das gemeinsame Werk museal werden zu lassen. Ihre späteren Auftritte behielten jene riskante Gegenwärtigkeit, die schon die frühen Lieder des Duos ausgezeichnet hatte.

Frankreichs Kulturministerin Catherine Pégard würdigte Ringer als freiheitsliebende Künstlerin, die Regeln aufgebrochen habe. Tatsächlich verstand Ringer Pop nicht als dekorative Oberfläche, sondern als Ausdrucksraum für Trauer, Witz, Lust und Widerspruch. Ihre Familie bat nach der Todesnachricht um Rücksicht auf die Angehörigen. Zurück bleibt ein Werk, das die Grenzen der französischen Popmusik dauerhaft erweitert hat.

Quellen

  • Franceinfo
  • Agence France-Presse
  • Französisches Kulturministerium
  • Le Monde

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