Paris – 10.09.2026: Bernard Cazeneuve hat die Auseinandersetzung über die gemeinsame Vorwahl des Parti socialiste und von Place publique scharf kritisiert. Der frühere französische Premierminister sprach nach Angaben von Franceinfo von einem Klima gegenseitiger Abrechnung und bezeichnete das Verfahren als politisch schädlich. Auslöser ist der Streit darüber, ob Bewerber außerhalb der beiden beteiligten Parteien zugelassen werden sollen.
Die Vorwahl unter dem Namen "Choisir 2027" soll einen gemeinsamen Kandidaten der sozialdemokratischen Linken für die französische Präsidentschaftswahl 2027 bestimmen. Kandidaturen können vom 1. bis 15. September eingereicht werden. Der erste Wahlgang ist für den 9. und 10. Oktober vorgesehen, ein möglicher zweiter für den 16. und 17. Oktober. Abgestimmt werden soll überwiegend elektronisch.
Das Parteipräsidium der Sozialisten billigte die Regeln Ende August. Place publique stimmte der Vereinbarung ebenfalls zu. Sie erlaubt grundsätzlich den Beitritt weiterer Organisationen. Wie weit diese Öffnung reicht, ist jedoch umstritten: Dürfen einzelne Politiker antreten, oder können ausschließlich Parteien, die sich dem Verfahren offiziell anschließen, eigene Bewerber aufstellen? An dieser Frage entzündet sich der Konflikt.
Rund hundert sozialistische Mandatsträger und Funktionäre forderten am 8. September in einem offenen Brief, den Wettbewerb unter anderem für François Ruffin und Marine Tondelier zu öffnen. Zu den Unterzeichnern gehören die Abgeordneten Paul Christophle, Pierrick Courbon und Fatiha Keloua-Hachi. Sie argumentieren, ein breiteres Bewerberfeld könne helfen, die Zersplitterung der Linken vor dem Präsidentschaftswahlkampf zu begrenzen.
Auch Olivier Faure, Erster Sekretär des Parti socialiste, wirbt für einen größeren Teilnehmerkreis. Er plädiert für eine Vorwahl, deren Spektrum von François Ruffin bis Raphaël Glucksmann reicht. Ruffin erklärte am 9. September seine Bereitschaft zur Teilnahme. Der Abgeordnete aus dem Département Somme traut sich nach eigener Darstellung zu, die Abstimmung zu gewinnen.
Raphaël Glucksmann, Europaabgeordneter und Mitvorsitzender von Place publique, lehnt dagegen eine nachträgliche Änderung der Regeln ab. Er beruft sich auf die bereits vereinbarten organisatorischen Voraussetzungen. Wahlberechtigt sind Mitglieder der beteiligten Organisationen sowie Unterstützer, die bis zum 5. Oktober einen Beitrag entrichten. Dieser beträgt regulär 15 Euro, für Studierende und Menschen mit geringem Einkommen 10 Euro.
Hinter dem Streit über das Verfahren steht eine strategische Entscheidung: Eine eng begrenzte Vorwahl sichert den beteiligten Parteien größeren Einfluss auf Kandidatur und Ablauf. Eine Öffnung könnte weitere linke Kräfte einbinden, würde aber die vereinbarten Regeln verändern. Bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 15. September muss geklärt werden, wer unter welchen Bedingungen antreten darf.
Quellen
- Franceinfo
- Parti socialiste
- Place publique
- La Chaîne Parlementaire
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).