LVMH, das Luxusimperium um Bernard Arnault, streicht 1.200 Stellen bei seiner renommierten Tochter Moët Hennessy – ganz leise, ohne Kündigungswelle. Es geht um rund 13 Prozent der Belegschaft im Bereich Wein und Spirituosen. Und das ohne klassischen Sozialplan, sondern durch eine schlichte Formel: Wer geht, wird nicht ersetzt.
So nüchtern diese Maßnahme klingt, so deutlich ist das Signal dahinter.
Der Sekt ist schal geworden
Nach drei Jahren mit Rekordzahlen und Partylaune in den Bilanzen ist der Kater da: 2024 sanken die Umsätze von Moët Hennessy um satte 11 Prozent. Von 6,6 Milliarden auf 5,9 Milliarden Euro – ein echter Dämpfer. Und als wäre das nicht genug, setzte sich der Negativtrend im ersten Quartal 2025 fort: Noch einmal ein Minus von 8 Prozent, das Umsatzvolumen schrumpfte auf 1,3 Milliarden Euro.
Besonders der Cognac, einst Goldesel im Portfolio, bremste. Und das obwohl – oder gerade weil – er in den USA besonders beliebt ist. Doch auch dort schwächelt das Geschäft, obwohl der US-Markt 2024 noch stolze 34 Prozent der Moët-Hennessy-Umsätze ausmachte.
Was ist passiert?
Post-Covid-Realität trifft Luxusbranche
Die Erklärung liefert der Konzern selbst: Die Nachfrage, die nach der Pandemie regelrecht explodiert war, normalisierte sich 2023 – und flaut seither spürbar ab. Besonders beim Champagner ist die Euphorie verflogen. In China, einem einstigen Wachstumsmotor, ist der Markt abgekühlt. Und dann sind da noch die US-Strafzölle, die Donald Trump kürzlich ins Spiel gebracht hat. Sie treffen auch LVMH ins Mark – nicht nur ideologisch, sondern wirtschaftlich.
Für einen Konzern, der wie kein zweiter auf Globalität und Markenimage setzt, sind diese Kombinationen aus Konsumzurückhaltung, geopolitischer Unsicherheit und Zollschranken ein echter Drahtseilakt.
Kein Kahlschlag, aber auch keine Zukunftspläne
Dass LVMH den Personalabbau ohne Kündigungen vollzieht, klingt auf den ersten Blick human. Tatsächlich wirkt es wie eine Strategie, die eher auf Schrumpfung als auf Transformation setzt. Es wird kein Personal „freigesetzt“, wie es in der Sprache der Personaler gerne heißt. Aber es kommt eben auch nichts Neues nach.
Das Unternehmen möchte zu den Personalzahlen von 2019 zurückkehren – einer Zeit vor Boom und Ausnahmejahren. Die Frage ist: Ist das ein vorsichtiger Rückbau oder ein Signal für eine neue Realität?
Vom prickelnden Prestige zur nüchternen Kalkulation
Moët Hennessy steht wie kaum ein anderer Unternehmenszweig für das glitzernde Aushängeschild des französischen Luxus. Mit Marken wie Moët & Chandon, Dom Pérignon, Veuve Clicquot oder Hennessy trinkt man nicht einfach – man zelebriert. Doch was passiert, wenn der Champagner plötzlich nicht mehr fließt wie gewohnt?
Die Luxuswelt lebt vom Image, aber sie lebt auch vom Konsum. Wenn der nachlässt, verliert selbst ein Dom Pérignon an Strahlkraft. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung kennt eben keine Nobelmarken.
Und was bedeutet das für die Zukunft?
Wenn LVMH seine traditionsreichste Luxussparte verschlankt, ist das mehr als nur eine interne Personalpolitik. Es ist ein Indikator dafür, dass sich der Markt neu ausrichtet. Weniger Überfluss, mehr Bedacht – das scheint der neue Modus Operandi zu sein.
Ob andere Sparten folgen? Möglich. Denn auch der Gesamtkonzern meldete im ersten Quartal 2025 einen Umsatzrückgang von 2 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro – kein Drama, aber ein Dämpfer für einen Konzern, der sonst nur Rekorde kennt.
Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass ausgerechnet bei LVMH die Korken nicht mehr so laut knallen?
Von C. Hatty