Kultur

Charli xcx inszeniert ihren Pop als Begegnung mit La Haine

Mit dem heute erschienenen Album Music, Fashion, Film und dem Video zu Camera führt Charli xcx ihre neue Ästhetik nach Frankreich: Vincent Cassel und Erinnerungen an Mathieu Kassovitz' La Haine machen aus einem Popsong…

Paris – 24.07.2026: Charli xcx veröffentlicht an diesem Freitag ihr neues Album Music, Fashion, Film und verlegt den Schauplatz ihres Pop-Universums nach Frankreich. Im kurz zuvor erschienenen Video zu Camera trifft die britische Sängerin auf Vincent Cassel. Der Schauspieler, dessen Gesicht untrennbar mit Mathieu Kassovitz' Film La Haine verbunden bleibt, wird darin nicht bloß zum prominenten Gast, sondern zum Zeichen einer ganzen Kinoerinnerung.

Das Video zitiert die raue, schwarzweiße Bildwelt des 1995 erschienenen Kultfilms, ohne sie museal nachzustellen. Cassel greift eine berühmte Passage seiner damaligen Figur Hubert wieder auf; Charli xcx beobachtet und arrangiert die Szene mit jener kalkulierten Unruhe, die ihre jüngeren Arbeiten prägt. Pop darf hier geschniegelt sein, aber keineswegs geschniegelt wirken. Er trägt Lederjacke, Zigarette und einen Hauch Großstadtmelancholie.

La Haine erzählte einst von drei jungen Männern in den Vorstädten von Paris, von Wut, Polizeigewalt und einer Gesellschaft am Rand der Geduld. Dass Charli xcx gerade dieses Werk als visuelle Folie aufruft, ist mehr als ein modischer Verweis. Die Sängerin nimmt dessen ikonische Oberfläche ernst, hält sich aber von einer bloßen Kopie fern. Ihre Kamera schaut auf Ruhm, Rollenbilder und das eigene Gesehenwerden.

Der Titel Camera passt zu diesem Spiel mit Blicken und Kontrolle. Charli xcx, die zuletzt auch zunehmend im Filmumfeld präsent war, macht aus dem Musikvideo eine Reflexion über die Maschine Pop: Wer führt Regie, wer wird ausgestellt, wer darf eine Geschichte noch einmal erzählen? Vincent Cassel verkörpert dabei zugleich französisches Autorenkino, internationalen Starstatus und die merkwürdige Langlebigkeit einer einzigen, nie ganz verstummten Filmzeile.

Music, Fashion, Film erscheint als Nachfolger der prägenden Brat-Phase, doch die neue Platte verabschiedet sich hörbar von deren grellem Club-Impuls. Elf Stücke bilden ein bewusst widerspenstiges Album, das Gitarren, elektronische Reibung und kleine theatrale Gesten verbindet. Schon die Vorabveröffentlichungen Rock Music und SS26 hatten angedeutet, dass Charli xcx weniger an einer stilistischen Kehrtwende als an produktiver Verunsicherung interessiert ist.

Der Albumtitel nennt Musik, Mode und Film gleichberechtigt, und genau darin liegt sein Programm. Die drei Felder werden nicht dekorativ nebeneinandergestellt, sondern als Formen derselben öffentlichen Selbstinszenierung behandelt. Wo Brat den Moment der kollektiven Überhitzung feierte, blickt Music, Fashion, Film auf die Kulissen danach: auf Eitelkeit, Erschöpfung, Lust an der Pose und das Bedürfnis, trotzdem noch einmal neu anzufangen.

Dass dieses Comeback ausgerechnet über La Haine nach Paris führt, besitzt eine feine Ironie. Der Film war nie bloß Stil, und Charli xcx weiß offenbar, dass seine Bildsprache deshalb Widerstand verlangt. Camera macht daraus keine politische Nacherzählung. Aber das Video beweist, wie gegenwärtig ein französischer Klassiker wirken kann, wenn Pop ihn nicht ausplündert, sondern ihm einen neuen, nervösen Widerhall gibt.

Quellen

  • Franceinfo
  • Charli xcx
  • Apple Music
  • Associated Press
  • NRJ

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).