Seit Ende März 2025 ist das Département Mayotte im Bann einer altbekannten Bedrohung: Chikungunya. Die tropische Viruserkrankung, die von Stechmücken übertragen wird, breitet sich derzeit beunruhigend schnell auf der kleinen französischen Insel im Indischen Ozean aus – zum ersten Mal wieder seit dem verheerenden Ausbruch 2005–2006.
Aktuellen Angaben zufolge wurden zwischen Kalenderwoche 10 und 18 insgesamt 116 Fälle registriert. Besonders alarmierend: 57 dieser Infektionen stammen aus lokaler Übertragung, was auf eine aktive Verbreitung direkt auf der Insel hinweist. Weitere 29 Fälle wurden importiert und bei 30 Patienten ist der Übertragungsweg noch unklar.
Die Lage spitzt sich zu – wo brennt es am meisten?
Vor allem in den Gemeinden Pamandzi und Mamoudzou häufen sich die Infektionen. Insgesamt haben 15 der 17 Gemeinden auf Mayotte bereits Chikungunya-Fälle gemeldet – ein deutliches Zeichen, wie weit sich das Virus innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet hat.
Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt, dass besonders Menschen zwischen 15 und 64 Jahren betroffen sind. Frauen machen mehr als die Hälfte der Infizierten aus. Fünf Betroffene mussten sogar ins Krankenhaus – hauptsächlich schwangere Frauen, die aufgrund der erhöhten Risiken besonders engmaschig überwacht werden.
Bislang gab es glücklicherweise keine Todesfälle.
Kampf gegen das Virus: Behörden auf höchster Alarmstufe
Am 16. Mai 2025 zog die Agence Régionale de Santé (ARS) die Reißleine und aktivierte Alarmstufe 2B des Notfallplans ORSEC. Das klingt technisch – bedeutet aber vor allem eines: Der Ausbruch ist ernst, und die Behörden erwarten, dass es noch schlimmer wird.
Im Klartext heißt das: Mückenschutzmittel raus, Ärmel hochgekrempelt – jetzt geht es in die Offensive. Die ARS hat umfangreiche Maßnahmen eingeleitet: intensive Mückenbekämpfung, Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung, Mobilisierung von zusätzlichen Helfern für die Beseitigung von Brutstätten und verstärkte Informationen für medizinisches Fachpersonal.
Denn eines ist klar: In dieser Phase zählt jede Minute.
Warum flammt das Virus gerade jetzt wieder auf? Der Blick über den Tellerrand liefert die Antwort. Auf der benachbarten Insel La Réunion wütet seit August 2024 eine massive Chikungunya-Welle. Über 47.500 bestätigte Fälle und mehr als 170.000 Verdachtsfälle wurden dort bis Anfang Mai 2025 registriert.
Die enge Verbindung zwischen Mayotte und La Réunion – ob durch Reisen, Handel oder Familienkontakte – hat die Einschleppung des Virus auf die kleinere Nachbarinsel begünstigt. Ein typischer Dominoeffekt zwischen französischen Überseedepartements.
Und nun? Wie geht es weiter für Mayotte?
Die aktuelle Entwicklung zeigt: Der Kampf gegen Chikungunya ist noch lange nicht vorbei. Die Lage auf Mayotte könnte sich weiter zuspitzen, wenn nicht entschieden gegengesteuert wird. Dabei spielt nicht nur die Gesundheitsbehörde eine Rolle – auch die Bevölkerung ist gefragt. Denn ohne Mithilfe bei Prävention, Mückenschutz und Hygienemaßnahmen bleiben die besten Strategien nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Kann man den Ausbruch noch stoppen, bevor er außer Kontrolle gerät?
Die Hoffnung liegt in einer Kombination aus schnellem Handeln, gezielter Aufklärung und gemeinsamer Verantwortung. Denn nur, wenn alle an einem Strang ziehen, lässt sich das Virus in die Schranken weisen – bevor sich die Geschichte von 2005 wiederholt.
Von C. Hatty