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Cornille Havard: Die Glockengießer von Notre-Dame de Paris

In einer Welt, in der traditionelle Handwerke immer seltener werden, steht die Glockengießerei Cornille Havard für Beständigkeit und Exzellenz. Seit ihrer Gründung im Jahr 1865 hat sich die Manufaktur in Villedieu-les-Poêles, Normandie, einen Platz in der Geschichte gesichert – und in den Herzen vieler. Aktuell sorgt sie mit der Renovierung und Neugestaltung der Glocken von…

Foto Priscilla Fraire

In einer Welt, in der traditionelle Handwerke immer seltener werden, steht die Glockengießerei Cornille Havard für Beständigkeit und Exzellenz. Seit ihrer Gründung im Jahr 1865 hat sich die Manufaktur in Villedieu-les-Poêles, Normandie, einen Platz in der Geschichte gesichert – und in den Herzen vieler. Aktuell sorgt sie mit der Renovierung und Neugestaltung der Glocken von Notre-Dame de Paris für Aufsehen, pünktlich zur Wiedereröffnung der Kathedrale am 7. Dezember 2024.

Ein monumentales Projekt für Notre-Dame

Nach dem verheerenden Brand von 2019, der die Kathedrale Notre-Dame schwer beschädigte, ruhte eine besondere Verantwortung auf den Schultern von Cornille Havard: die Restaurierung der ikonischen Glocken. Zu den erneuerten Glocken gesellt sich nun eine ganz besondere – die Glocke, die diesen Sommer bei den Olympischen Spielen in Paris von den siegreichen Athleten geläutet wurde.

Am 7. November 2024 wurden die Glocken feierlich vom Rektor der Kathedrale, Monseigneur Olivier Ribadeau Dumas, gesegnet. Gemeinsam mit Paul Bergamo, dem Direktor der Gießerei, und Tony Estanguet, Präsident des Organisationskomitees der Olympischen Spiele, war dies ein symbolischer Moment, der Tradition und Moderne vereinte. Zum ersten Mal seit fünf Jahren hallten die Klänge der Glocken durch Paris – ein bewegendes Erlebnis.

Handwerk mit Geschichte

Cornille Havard ist eine der letzten beiden Glockengießereien in Frankreich und eine von nur etwa 30 weltweit. Dieses Handwerk hat eine lange Tradition in Villedieu-les-Poêles, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Paul Bergamo erklärt: „Die Stadt wurde von den Tempelrittern gegründet, die nach den Kreuzzügen das Recht erhielten, eine steuerfreie Stadt zu errichten. Dies förderte die Entwicklung des Handwerks, einschließlich der Glockengießerei.“

Bis ins 19. Jahrhundert waren Glockengießer oft reisende Handwerker, da der Transport der schweren Glocken kompliziert war. Mit der industriellen Revolution und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes konnte sich Cornille Havard in einem stationären Atelier niederlassen – genau dort, wo die Glocken auch heute noch entstehen.

Kunst trifft auf Technologie

Die Arbeit bei Cornille Havard ist eine Mischung aus jahrhundertealter Tradition und moderner Technik. Die Glocken bestehen aus einer speziellen Legierung: 78 % Kupfer und 22 % Zinn. Der Preis für eine große Glocke mit einem Meter Durchmesser und Höhe liegt aktuell bei etwa 35.000 Euro – abhängig vom Rohstoffmarkt.

Besonders beeindruckend ist die Rolle der Informatik. Cornille Havard war weltweit einer der Pioniere bei der digitalen Modellierung von Glockenprofilen. Dieses Profil bestimmt nicht nur die Form, sondern auch die Klangstruktur und die Tonhöhe der Glocke. Jede Glocke wird so zu einem maßgeschneiderten Instrument.

Ein internationales Publikum

Mit jährlich rund 100 Glocken, die vor allem für Kirchen in Frankreich gefertigt werden, ist Cornille Havard ein Meister seines Fachs. Doch die Gießerei exportiert auch weltweit – Glocken aus Villedieu-les-Poêles hängen in Gotteshäusern und Kulturstätten auf allen Kontinenten.

Ein weiterer Stolz des Unternehmens ist der Besucherandrang: Seit über 40 Jahren öffnet Cornille Havard seine Türen für die Öffentlichkeit und empfängt jährlich rund 50.000 Gäste. Hier erleben Besucher hautnah, wie Feuer, Metall und Handwerkskunst zusammenkommen, um etwas Zeitloses zu schaffen.

Die Glocke als Seele der Gemeinschaft

„Eine Glocke ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein Musikinstrument“, betont Paul Bergamo. Ihr Klang ist weit mehr als eine Melodie – er verbindet Menschen, erzählt Geschichten und markiert den Rhythmus des Lebens. Mit jeder neu gegossenen Glocke bewahrt Cornille Havard dieses Erbe und gibt ihm zugleich einen modernen Klang.

So hallen die Töne von Notre-Dame bald wieder durch Paris – dank einer Gießerei, die mit jedem Läuten Geschichte schreibt.

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