Nach einem kontinuierlichen Rückgang im Februar steigt die Zahl der Ansteckungen seit einigen Tagen wieder an. Ein Aufwärtstrend, der sich noch beschleunigen könnte, wenn am Montag fast alle Gesundheitseinschränkungen in Frankreich aufgehoben werden.
Neben der russischen Invasion in der Ukraine und dem Präsidentschaftswahlkampf erinnert diese Nachricht an eine Krise, die man fast vergessen hätte. Aber Covid-19 ist immer noch da. Nach den am Mittwoch, den 9. März, von Santé publique France veröffentlichten Zahlen verzeichnete Frankreich innerhalb von 24 Stunden 69.190 neue Fälle, was einem Anstieg von 20% gegenüber dem letzten Mittwoch entspricht.
Jedoch ist nicht das ganze Land gleichermassen betroffen, erklärt Guillaume Rozier, Gründer der Website CovidTracker. "Die Zahl der positiven Fälle steigt wieder an, vor allem im Norden des Landes und rund um das Mittelmeer. Dies entspricht in etwa der Zone B, in der die Schule nach den Februarferien zuerest wieder bagann".
https://twitter.com/GuillaumeRozier/status/1501833184811569153
Außerdem, so meinen viele Experten, könnte der Vormarsch der Omikron-Untervariante BA.2 eine Rolle bei dem Anstieg der Fallzahlen spielen. Ersten wissenschaftlichen Studien zufolge ist diese Variante um 30% ansteckender als als das ursprüngliche Omikron (BA.1).
Ein solcher Aufschwung der Epidemie ist nicht nur in Frankreich zu beobachten, sondern auch in Deutschland, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich.
Dennoch will die französische Regierung, wie auch andere europäische Länder, an ihrem Zeitplan für die Aufhebung der Maßnahmen gegen Covid-19 festhalten.
Ab Montag werden in Frankreich fast alle Beschränkungen aufgehoben: Der Impfpass, die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen sowie ein Großteil der Gesundheitsprotokolle in Schulen und Unternehmen werden aufgehoben. Gesundheitliche Einschränkungen wie die Maskenpflicht werden nur noch im Transportwesen, in Krankenhäusern und Altenheimen gelten.
Eigentlich hatte Olivier Véran Ende Februar für die Aufhebung der Beschränkungen insbesondere "eine Inzidenzrate zwischen 300 und maximal 500" genannt. Nach Angaben von Santé publique France liegt die Inzidenz derzeit bei über 546 und trotzdem will die Regierung bei den angekündigten Lockerungen bleiben.
Die Zahl der Intensivpatienten sollte Laut Olivier Véran unter 1.500 liegen. Auch hier ist die Rechnung nicht aufgegangen. Die Zahl der Menschen, die wegen Covid-19 auf einer Intensivstation behandelt werden, ist gerade erst mal unter 2.000 gesunken. Eine Zahl, die zwar seit dem 2. Dezember 2021 noch nie so niedrig war, aber immer noch über den Zielen der Regierung liegt.
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Für viele Mediziner kommt die fast vollständige Aufhebung der Einschränkungen, insbesondere das Ende Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Auch geht das Ende der Maskenpflicht nicht mit Maßnahmen einher, die Luft in Innenräumen zu verbessern und die Viruskonzentration in Einrichtungen mit Publikumsverkehr verringert. Mitten im Präsidentschaftswahlkampf scheint das Interesse der Regierung eher politisch statt gesundheitspolitisch orientiert zu sein.
Befürchtet wird auch, dass der Druck in den Krankenhäusern, der in den letzten Wochen in Frankreich abgenommen hat, wieder ansteigen könnte, ähnlich wie in Großbritannien, wo die Zahl der Krankenhauseinweisungen derzeit wieder steigt.
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Die breite Durchimpfung der französischen Bevölkerung, natürliche Infektionen und die Ankunft des Frühlings dürften jedoch dazu beitragen, die Auswirkungen dieses erneuten Aufflammens der Epidemie auf die Krankenhäuser in Grenzen zu halten. Bei jeder neuen Welle ist die Situation anders. Mehr Menschen sind geimpft oder besitzen inzwischen eine natürliche Immunität und das Gesundheitswesen hat gelernt sich besser zu organisieren, wobei auch neue Medikamente helfen, die neuerdings verfügbar sind.