Mehrere Länder haben bereits eine vierte Dosis des Impfstoffs gegen Covid-19 zugelassen oder werden dies in Kürze tun. Frankreich, das derzeit mit einer beispiellosen Welle von Ansteckungen konfrontiert ist, setzt die Injektionen der dritten Dosis fort. Und es stellt sich die Frage, ob eine vierte Injektion bereits jetzt vorbereitet werden sollte.
Werden die Franzosen eine vierte Dosis des Impfstoffs gegen Covid-19 bekommen? Bisher ist noch nichts entschieden, aber auch nichts ausgeschlossen. Die französischen und europäischen Gesundheitsbehörden haben sich noch nicht zu dieser Frage geäußert. "Man muss sich Zeit lassen, um zu versuchen, diese Frage auf wissenschaftlicher Ebene so gut wie möglich zu bewerten, um eine eventuelle Entscheidung zu begründen", hatte Alain Fischer, der Vorsitzende des Orientierungsrats für die Impfstrategie, am 3. Januar auf dem Sender BFMTV gesagt.
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Frankreich, das in diesen Tagen mit voller Wucht von der Omikron-Welle getroffen wird und täglich zum Teil deutlich mehr als 300.000 positive Fälle verzeichnet, setzt seine Impfkampagne für die dritte Dosis oder Auffrischungsdosis fort. Bisher haben 53,5 Millionen Franzosen eine erste Dosis erhalten und 52 Millionen Menschen haben eine vollständige Impfung. Das sind 77,4% der Gesamtbevölkerung.
Omikron verändert die Situation
Die dritte Dosis, als "Booster" ("Beschleuniger") für unser Immunsystem bezeichnet, soll schwere Formen der Krankheit verhindern. Aber wie lange hält der Schutz an? Der Antikörperspiegel beginnt ab zehn Wochen nach der Injektion zu sinken: Drei Monate nach der Auffrischungsdosis schützt der Impfstoff zwar immer noch, aber der Schutz vor dem Virus beginnt zu schwinden. Außerdem verringert die dritte Dosis zwar drastisch die Wahrscheinlichkeit, eine schwere Form von Covid-19 zu entwickeln, verhindert aber nicht mit Sicherheit, dass die Patienten ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.
Daher stellt sich heute die Frage nach der vierten Dosis. In Frankreich können immungeschwächte und gebrechliche Menschen mit Vorerkrankungen die 4. Dosis bereits jetzt erhalten. Israel, Chile, Dänemark und Spanien haben die Injektion einer vierten Dosis bereits zugelassen.
In Frankreich könnte die Omikron-Variante, die täglich mehrere hunderttausend Franzosen ansteckt, die Situation jetzt auch ändern. "Omikron wird wahrscheinlich eine Gruppenimmunität schaffen", erklärt Dr. Benjamin Davido, Infektiologe am Raymond-Poincaré-Krankenhaus in Garches (Hauts-de-Seine), gegenüber der Zeitung La Dépêche. Es gibt so viele Ansteckungen, auch in der geimpften Bevölkerung, mit einer Ansteckungsgeschwindigkeit, wie man sie noch nie zuvor erlebt hat. Eine kollektive Immunität kann in einer solchen Situation durch Impfung und natürliche Immunität erreicht werden.
Für immungeschwächte und besonders anfällige Personen wird nach Ansicht von Virologen später möglicherweise eine jährliche Impfung nach dem Vorbild der Grippeimpfung erforderlich sein.
Die 4. Impfung ab September?
Wann also wird eine erneute Impfung - wenn überhaupt - erforderlich sein? Wer wird geimpft werden müssen? Mit welchem Impfstoff? Ein neuer Impfstoff, der gegen Omikron wirksamerer sein soll, wird im März von Pfizer und im Herbst von Moderna auf den Markt gebracht werden. Bis dahin kann allerdings immer noch eine neue Variante auftreten.
Impft man im März/April mit dem Risiko, dass die Wirksamkeit der Impfung innerhalb von sechs Monaten verloren geht? Oder sollte man impfen, wenn die Herdenimmunität erreicht ist und mehrere Monate vergangen sind? Impft man dann besser im September, um angesichts der nächsten Wintersaison die Bevölkerung dauerhaft schützen zu können?
Die Zeit nach der Omikron-Welle wird genau beobachtet werden müssen: Die vierte Impfdosis der Franzosen wird von der epidemiologischen Situation in den kommenden Monaten abhängen.