Frankreich

Cyberangriff auf Frankreichs Supermärkte: Als die Kühltruhen heiß wurden

Ein Cyberangriff auf die Kühlanlagen Hunderter französischer Supermärkte sorgt für Millionenschäden. Lebensmittel verderben, Regale bleiben leer, Ermittler suchen nach den Tätern. Der Vorfall offenbart, wie gefährlich ungeschützte digitale Technik für den Alltag sein kann. Stand: 13. Oktober 2026 Es klingt wie ein schlechter Scherz: Ausgerechnet Kühltruhen, die Lebensmittel tiefgefroren halten sollen, heizen sich auf bis…

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Ein Cyberangriff auf die Kühlanlagen Hunderter französischer Supermärkte sorgt für Millionenschäden. Lebensmittel verderben, Regale bleiben leer, Ermittler suchen nach den Tätern. Der Vorfall offenbart, wie gefährlich ungeschützte digitale Technik für den Alltag sein kann.

Stand: 13. Oktober 2026

Es klingt wie ein schlechter Scherz: Ausgerechnet Kühltruhen, die Lebensmittel tiefgefroren halten sollen, heizen sich auf bis zu 50 Grad auf. Doch was sich in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober in zahlreichen französischen Supermärkten abspielte, war bitterer Ernst. Unbekannte Hacker manipulierten aus der Ferne die Steuerung von Kühl- und Gefrieranlagen. Die Folge: verdorbene Lebensmittel, erhebliche finanzielle Verluste und hektische Krisensitzungen bei den großen Handelsketten.

Diesmal traf der Cyberangriff keine Bankkonten oder Kundendaten, sondern die Kühlkette – und damit einen empfindlichen Nerv der Lebensmittelversorgung.

Hunderte Supermärkte betroffen

Besonders schwer erwischte es die Handelsgruppe Les Mousquetaires, zu der Intermarché und Netto gehören. Rund 300 Geschäfte sollen betroffen sein. Auch E.Leclerc, Carrefour, Monoprix und Coopérative U meldeten Störungen. Carrefour bestätigte 80 betroffene Standorte, ebenso Coopérative U. Bei Monoprix traf es etwa fünf Prozent des französischen Filialnetzes.

Die Schäden sind beträchtlich. Dominique Schelcher, Chef von Coopérative U, bezifferte den möglichen Verlust eines einzelnen großen Hypermarktes auf bis zu 200.000 Euro. Thierry Cotillard, Vorstandschef von Les Mousquetaires, rechnet für seine Handelsgruppe mit Schäden in zweistelliger Millionenhöhe.

Besonders bitter: Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Tiefkühlwaren mussten aus Sicherheitsgründen entsorgt werden. Was zuvor verkaufsfertig in den Regalen lag, landete tonnenweise im Müll.

Wenn die Fernwartung zur offenen Hintertür wird

Im Zentrum des Angriffs stehen vernetzte Kühlsteuerungen des dänischen Herstellers Danfoss. Diese Technik ermöglicht es Wartungsunternehmen, Temperaturen und Betriebsfunktionen aus der Ferne zu überwachen. Praktisch, effizient und kostensparend – solange niemand Unbefugtes Zugriff erhält.

Genau diese Schwachstelle nutzten die Angreifer offenbar aus. Sie manipulierten die Abtaufunktion der Anlagen und lösten dadurch eine massive Erwärmung aus. Statt Eis zu verhindern, zerstörte die Technik den Warenbestand.

Die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI bestätigte zahlreiche kompromittierte Geräte der Baureihen AK-SM und AK-SC. Bereits zuvor hatten Sicherheitsforscher auf Schwachstellen und öffentlich erreichbare Verwaltungsoberflächen hingewiesen.

Danfoss erklärte, überwiegend ältere Systeme ohne laufende Sicherheitsunterstützung seien betroffen. Ob die Angreifer tatsächlich eine der bereits dokumentierten Sicherheitslücken ausnutzten, steht allerdings noch nicht fest.

Ermittlungen und die Angst vor weiteren Angriffen

Die Pariser Staatsanwaltschaft schaltete das auf Cyberkriminalität spezialisierte Ermittlungsamt OFAC ein. Neben den Warenverlusten untersuchen die Behörden auch mögliche Zusammenhänge mit gemeldeten Brandausbrüchen. Über die Identität oder Motive der Täter liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Unterdessen versuchen die Handelsketten, ihre Kühlanlagen wiederherzustellen und die Regale neu zu bestücken. Während Tiefkühlprodukte vergleichsweise schnell nachgeliefert werden sollen, gestaltet sich die Versorgung mit frischem Fleisch und Fisch schwieriger.

Die Behörden empfehlen, Fernzugriffe konsequent abzusichern, Software zu aktualisieren und kompromittierte Systeme vollständig zu überprüfen.

Der Vorfall ist ein Weckruf weit über Frankreich hinaus. Denn längst hängen nicht nur Computer und Smartphones am Internet, sondern auch Kühlhäuser, Produktionsanlagen und Versorgungssysteme.

Ein einziger ungeschützter Zugang reicht unter Umständen aus, um erhebliche Schäden anzurichten. Frankreichs Supermärkte erleben gerade, dass Cyberkriminalität nicht nur Daten vernichtet, sondern auch ganz handfeste Warenbestände.

Und manchmal beginnt eine digitale Katastrophe eben nicht mit einem schwarzen Bildschirm, sondern mit einer Kühltruhe, die plötzlich heizt.

Daniel Ivers

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