Manchmal schreibt das Leben Drehbücher, die so absurd sind, dass sie selbst die kreativsten Köpfe übertreffen. Für den franco-iranischen Regisseur Diako Yazdani, bekannt für seine poetischen und provokanten Dokumentarfilme, wurde die Produktion seines neuen Projekts zur bürokratischen Odyssee – und zu einer bittersüßen Komödie des Lebens.
Ein Filmprojekt, das zum Stillstand kam
Alles war bereit. Der Kameramann, der Toningenieur, die Drehorte – sogar das Schloss Versailles spielte eine zentrale Rolle im Skript. Doch dann kam der Schock: Die französischen Behörden verweigerten die Visa-Anträge seiner Familie. Damit platzte der Plan, ein bewegendes Familiendrama in Frankreich zu drehen, das nicht nur seine Geschichte erzählen, sondern auch alte Wunden heilen sollte.
"Es war, als hätte jemand den Vorhang heruntergerissen, bevor die Vorstellung überhaupt beginnen konnte", erinnert sich Yazdani. Sein Film, "Eine Familie wie jede andere", sollte nicht nur die Dynamiken innerhalb seiner Familie beleuchten, sondern auch die kulturellen Spannungen zwischen seinen kurdisch-iranischen Wurzeln und seinem Leben in Frankreich. Eine Geschichte, die persönlicher kaum sein könnte.
Eine Familie zwischen Welten
Diako Yazdani ist kein Unbekannter in der Filmwelt. Mit seinem Werk "Alle Leben von Kojin" (2019) schuf er einen poetischen und zugleich mutigen Film, in dem er seine Familie mit den Herausforderungen eines homosexuellen Freundes konfrontierte – ein unerwartetes Zusammentreffen von Religion, Tradition und moderner Selbstfindung. Doch diesmal war das Thema noch näher an seiner eigenen Biografie: Der lange abwesende Vater, die verstreute Familie, die sich in Paris versammeln sollte, um Konflikte aus der Vergangenheit zu klären.
Der Dreh in Frankreich war mehr als nur eine logistische Entscheidung. Es war ein Symbol. Ein Ort, der die Kluft zwischen seinem neuen Leben und seinen Wurzeln überbrücken sollte. Doch diese Brücke wurde vom französischen Visumsverfahren abgerissen.
Ein kafkaesker Kampf
Yazdanis Visumsgesuch entwickelte sich zu einem administrativen Albtraum. Ursprünglich plante er, 15 Familienmitglieder für den Dreh nach Frankreich zu holen. Doch die Behörden sahen das anders: Ein "zu hohes Risiko der Einwanderung" wurde als Grund für die Ablehnung angegeben. Schließlich reduzierte Yazdani die Anzahl der Anträge schrittweise – erst fielen die Schwägerinnen und Schwager weg, dann die Kinder. Am Ende blieben nur sechs Personen übrig. Trotzdem blieb das entscheidende "Ja" der Behörden aus.
"Es ist, als würde man ein Theaterstück für 15 Schauspieler schreiben, nur um dann zu hören, dass neun von ihnen gestrichen werden müssen", klagt der Regisseur. Das Drehbuch, das so sorgfältig auf die Dynamik seiner gesamten Familie abgestimmt war, musste plötzlich umgeschrieben werden – ein Bruch, der nicht nur das Projekt, sondern auch seine künstlerische Vision infrage stellte.
Humor als Waffe
Trotz des Rückschlags lässt Yazdani den Kopf nicht hängen. Mit seinem trockenen Humor kommentiert er die Absurdität der Situation: "Stellen Sie sich vor, ich hätte all das nur inszeniert, um meine Familie illegal nach Frankreich zu bringen. Warum sollte ich dafür eine Filmförderung vom CNC beantragen, anstatt einfach einen Schleuser zu engagieren?"
Diese Ironie zieht sich wie ein roter Faden durch Yazdanis Schaffen – ein Mittel, um Schmerz und Ungerechtigkeit zu verarbeiten. Humor ist für ihn keine Flucht, sondern eine Form des Widerstands.
Eine Debatte über Doppelmoral
Der Fall von Diako Yazdani wirft ein Schlaglicht auf die französische Visumpolitik, die zunehmend in die Kritik gerät. Die iranisch-französische Künstlerin Marjane Satrapi, Schöpferin des preisgekrönten Films "Persepolis", lehnte kürzlich die Ehrenlegion Frankreichs ab. Ihre Begründung? Die Doppelmoral der Behörden: Während reiche Kinder iranischer Eliten problemlos in Paris flanieren, werden Künstler und Dissidenten mit Visaverweigerungen abgespeist.
Yazdanis Familie, Menschen aus der kurdisch-iranischen Mittelschicht, wurde von diesem System regelrecht ausgelöscht. "Sie sind weder arm noch reich", erklärt er, "nur ganz normale Leute aus einer kleinen Stadt. Aber das reicht offenbar nicht."
Ein Lichtblick am Horizont
Doch Yazdani gibt nicht auf. Nach sechs Jahren Arbeit an diesem Film plant er eine erneute Visumanfrage. Und während die Behörden seine Familie in der Warteschleife lassen, hat er bereits ein neues Kurzfilmprojekt abgeschlossen – eine satirische Auseinandersetzung mit den Hürden seines gescheiterten Dokumentarfilms. Es scheint, als habe er das letzte Wort über diese Farce noch nicht gesprochen.
Ein Kunstwerk aus Widrigkeiten
Was bleibt, ist die Frage: Was sagt diese Geschichte über die Macht der Kunst aus? Yazdanis unermüdlicher Einsatz für seinen Film zeigt, dass wahre Künstler aus den schwierigsten Bedingungen schöpfen können. Und während der Weg zur Realisierung seiner Vision noch steinig ist, hat er uns bereits eines bewiesen: Manchmal ist der Kampf um ein Werk selbst Teil des Kunstwerks.