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Die „Bonne Mère“ von Marseille erstrahlt neu: Ein Mammutprojekt für das Herz der Stadt

Hoch oben auf dem Hügel La Garde thront sie – die Basilika Notre-Dame-de-la-Garde, liebevoll „la Bonne Mère“ genannt, das beschützende Symbol von Marseille. Seit dem 19. Jahrhundert wacht sie über die Hafenstadt, ihre goldene Marienstatue weithin sichtbar. Doch 2025 erhält das Wahrzeichen eine Frischzellenkur: Eine aufwendige Restaurierung bringt neuen Glanz auf das wohl bekannteste Wahrzeichen…

Notre-Dame de la Garde (2013 / Wikipedia)

Hoch oben auf dem Hügel La Garde thront sie – die Basilika Notre-Dame-de-la-Garde, liebevoll „la Bonne Mère“ genannt, das beschützende Symbol von Marseille. Seit dem 19. Jahrhundert wacht sie über die Hafenstadt, ihre goldene Marienstatue weithin sichtbar. Doch 2025 erhält das Wahrzeichen eine Frischzellenkur: Eine aufwendige Restaurierung bringt neuen Glanz auf das wohl bekannteste Wahrzeichen Südfrankreichs.

Doch warum jetzt – und was macht dieses Projekt so besonders?

Ein strahlendes Wahrzeichen: 30.000 Blätter Gold für Maria

Im Zentrum der Restaurierung steht die 11,2 Meter hohe Statue der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, die seit über 35 Jahren nicht mehr vergoldet wurde. Die Arbeiten, die im Februar 2025 begannen, sind alles andere als gewöhnlich: 30.000 hauchdünne Blätter aus 23-karätigem Gold werden aufgetragen – Blatt für Blatt, Schicht für Schicht.

Ein 40 Tonnen schweres Gerüst hüllt die Statue in ein Schutzkokon, damit die Handwerker in 210 Metern Höhe ungestört arbeiten können – windgeschützt, fernab von Verschmutzung. Das Ziel: Ein Glanz, der mindestens 50 Jahre Bestand haben soll. Ein Balanceakt zwischen Tradition und moderner Technik.

Mehr als nur Gold: Umfassende Restaurierung der Basilika

Doch die Restaurierung betrifft weit mehr als die Statue. Die Arbeiten umfassen das gesamte Bauwerk: die Stahlstruktur im Inneren, den Glockenturm, die „Terrasse der Engel“ und die Krypta. Besonders spannend: Für die Steinsanierung wird die sogenannte Biokonsolidierung eingesetzt. Dabei kommen spezielle Bakterien zum Einsatz, die das Gestein stabilisieren – ein Paradebeispiel für den Einsatz innovativer Methoden im Denkmalschutz.

Hier treffen Jahrhunderte alte Architektur und neueste Forschung aufeinander – beeindruckend, oder?

Wer zahlt für den neuen Glanz?

Rund 2,8 Millionen Euro kostet das ehrgeizige Projekt. Finanziert wird es zur Hälfte durch Spenden – private Unterstützer, lokale Unternehmen wie CMA CGM oder Pernod Ricard und auch der Fußballclub Olympique de Marseille haben sich beteiligt. Die Kampagne „Je soutiens la Bonne Mère“ sammelte über 1,3 Millionen Euro.

Die andere Hälfte? Kommt von öffentlichen Geldern – rund 1,7 Millionen Euro. Das sorgt für Diskussionen: Darf ein religiöses Bauwerk mit Steuermitteln unterstützt werden? Kritiker, vor allem aus linken politischen Kreisen, stellen diese Frage offen.

Doch die Marseillais sehen die Sache anders: Für sie ist die Bonne Mère mehr als ein sakraler Ort – sie ist Teil ihrer Identität.

Symbolträchtige Termine und große Feier

Die Restaurierung ist fein abgestimmt auf den liturgischen Kalender. Bereits am 25. März wurde symbolisch ein neuer Grundstein gesetzt. Am 16. Juli, dem Fest der Jungfrau Maria vom Berge Karmel, startete die eigentliche Vergoldung der Statue. Krönender Abschluss: Die feierliche Einweihung am 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis.

Ein Festtag für die Stadt – und wohl auch für jeden, der die Bonne Mère im Herzen trägt.

Die Bonne Mère – Mehr als ein religiöses Symbol

Ob gläubig oder nicht – für viele Marseillais ist Notre-Dame-de-la-Garde ein fester Bestandteil ihrer Stadt. Sie steht für Hoffnung, Schutz und Identität. Fischer und Seeleute vertrauen ihr seit jeher, Reisende suchen hier Inspiration oder Ruhe.

Die Restaurierung ist deshalb weit mehr als ein Bauprojekt – sie ist ein Zeichen dafür, wie eng die Menschen mit ihrem kulturellen Erbe verbunden sind. In einer Welt, in der vieles flüchtig ist, bleibt die Bonne Mère ein Ankerpunkt – strahlend, golden, unerschütterlich.

Und wer einmal oben auf dem Hügel stand, den Blick über das glitzernde Mittelmeer schweifen ließ, weiß: Diese Statue gehört einfach zu Marseille.

Autor: Andreas M. Brucker

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