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Die Muschelfischer kehren in die Bucht der Somme zurück

Zwei Jahre lang war die Stille auf den „hénonnières“ fast ohrenbetäubend. Wo sonst das rhythmische Kratzen der Rechen über den Sandboden und das Klappern der Eimer zu hören war, herrschte gähnende Leere. Nun, im Herbst 2025, dürfen Muschelfischer und Sammler endlich zurück in die Bucht der Somme. Ein Neustart – vorsichtig, streng überwacht und mit…

Muschelfischerei / illustrationsfoto: Shapelined

Zwei Jahre lang war die Stille auf den „hénonnières“ fast ohrenbetäubend. Wo sonst das rhythmische Kratzen der Rechen über den Sandboden und das Klappern der Eimer zu hören war, herrschte gähnende Leere. Nun, im Herbst 2025, dürfen Muschelfischer und Sammler endlich zurück in die Bucht der Somme. Ein Neustart – vorsichtig, streng überwacht und mit einer gehörigen Portion Hoffnung im Gepäck.

Zwei Jahre Stillstand – und viele Sorgen

Seit 2023 war die Muschelernte in der Bucht der Somme verboten. Der Grund: Massensterben der Muscheln, Verschlechterung der Wasserqualität und bakterielle Verunreinigungen, die im schlimmsten Fall auch für den Menschen gefährlich werden konnten. Besonders in der nahegelegenen Bucht von Authie wurden kritische Werte gemessen.

Für die Region war das ein Schock. Die Schalentiere sind nicht nur maritimes Kulturgut, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor. Die professionellen Fischer verloren einen erheblichen Teil ihres Einkommens, während Hobby-Sammler ein Stück ihrer Freizeitkultur einbüßten. Manche sprachen gar davon, dass „das Herz der Bucht“ stillstehe.

Neustart unter Auflagen

Die Präfektur hat nun grünes Licht gegeben: Es darf wieder gesammelt werden. Allerdings unter strikten Auflagen.

Für Freizeitsammler gilt: maximal fünf Kilo pro Tag und Person, und nur Muscheln ab einer Größe von 2,7 Zentimetern. Als Werkzeug ist ausschließlich die klassische Griffe mit drei Zinken erlaubt – kein Platz für schwere Geräte, die den Boden beschädigen könnten.

Bei den Profis wird es etwas komplexer. Abhängig vom jeweiligen Fanggebiet dürfen sie zwischen 60 und 150 Kilo am Tag einsammeln. Auch hier gilt eine Mindestgröße, teils von 30 Millimetern. Die Behörden behalten sich vor, die Quoten während der Saison jederzeit anzupassen.

Eine tägliche Fangreise ist erlaubt – nicht mehr. Wer hofft, alte Zeiten mit übervollen Säcken zurückzubekommen, muss sich von dieser Illusion verabschieden.

Zwischen Euphorie und Vorsicht

„Eine kleine Befreiung“, sagt ein Fischer im Gespräch mit der Lokalzeitung. Nach zwei Jahren Zwangspause sei es ein erstes Lebenszeichen der Bucht. Doch Euphorie? Fehlanzeige. Die Experten mahnen: Die Bestände sind nach wie vor fragil. Temperaturspitzen, Einleitungen ins Meer oder Bakterienausbrüche können die zarten Muscheln schnell wieder dezimieren.

Die Regeln sind daher nicht nur Formalitäten, sondern ein Schutzschild. Wer kleinere Muscheln mitnimmt oder die Quoten überschreitet, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern vor allem die Zukunft der gesamten Muschelfelder.

Und dann ist da noch die Gesundheitsfrage. Während in der Bucht von Somme aktuell „grünes Licht“ herrscht, bleibt die Bucht von Authie weiterhin gesperrt. Die Gefahr einer Kontaminationen ist also nicht verschwunden. Ein schlechter Messwert – und die Netze bleiben wieder leer.

Ein Testlauf für die Zukunft

Die Wiederaufnahme der Muschel-Fischerei ist weniger ein Happy End als ein Testlauf. Sie zeigt, dass die Natur widerstandsfähig sein kann, aber auch, wie schnell diese Balance kippt. Die Behörden haben die Zügel fest in der Hand, und die Fischer müssen mitziehen.

Wird die Bucht der Somme ihre Rolle als eine der wichtigsten „Muschel-Hochburgen“ Frankreichs zurückgewinnen? Möglich. Aber nur, wenn Geduld, Respekt und nachhaltige Praxis Vorrang vor kurzfristigem Gewinn haben.

Wer schon einmal selbst mit einem kleinen Eimer im Sand stand, weiß: Der Zauber liegt nicht in der Masse, sondern in dem Moment, wenn das erste glänzende Schalentier in den Eimer fällt. Vielleicht erinnert genau das daran, warum die Rückkehr so wertvoll ist.

Autor: Danile Ivers

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