Paris – 11.10.2026: Der Dokumentarfilm Naza von Yuval Abraham und Rachel Szor kommt am Montag, dem 12. Oktober 2026, in die französischen Kinos. Der 77 Minuten lange Film wurde im September bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Sonderpreis der Jury ausgezeichnet. In Frankreich übernimmt MK2 Films den Verleih; Vorführungen sind in Paris und anderen Städten angekündigt.
Grundlage des Films sind Aussagen von 24 aktiven oder ehemaligen israelischen Soldaten sowie Angehörigen des Militärgeheimdienstes. Die Beteiligten bleiben anonym, ihre Gesichter und Stimmen wurden nach Angaben der Produktion verändert. Die nachts auf Dächern in Tel Aviv geführten Gespräche sollen ihnen ermöglichen, ohne erkennbare Identität über ihre jeweiligen Aufgaben zu berichten. Ihre Schilderungen betreffen die Auswahl und Freigabe militärischer Ziele sowie die Folgen von Angriffen im Gazastreifen.
Naza erhebt schwere Vorwürfe gegen die Einsatzmethoden der israelischen Armee. Mehrere Gesprächspartner beschreiben Verfahren, bei denen erwartete zivile Opfer vor Angriffen berechnet und in Kauf genommen worden seien. Der Film präsentiert diese Aussagen als Berichte aus dem Inneren des Militärapparats. Sie sind jedoch nicht mit unabhängig geprüften oder gerichtlich festgestellten Tatsachen gleichzusetzen. Die Produktion knüpft an Recherchen an, die zuvor von der britischen Zeitung The Guardian sowie den israelisch-palästinensischen Medien +972 Magazine und Local Call veröffentlicht worden waren.
Abraham und Szor hatten bereits an No Other Land mitgewirkt, der 2025 den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt. Naza wurde erst kurz vor Beginn des Wettbewerbs in das Programm von Venedig aufgenommen. Die Biennale führte das Werk anschließend offiziell im Wettbewerb und verlieh ihm am 12. September den Sonderpreis der Jury. Berichten mehrerer Medien zufolge reagierte das Publikum bei der Uraufführung mit lang anhaltendem Beifall.
In Israel hat der Film eine heftige politische und öffentliche Kontroverse ausgelöst. Kritiker werfen den Regisseuren vor, ihrem Land während des Krieges zu schaden. Abraham und Szor halten dagegen, dass die Aussagen der Beteiligten öffentlich geprüft werden müssten. Der Streit berührt damit eine grundsätzliche Frage des Dokumentarfilms: Wie lassen sich anonym erhobene Insiderberichte sichtbar machen, ohne ihren Schutz aufzugeben oder ihre Aussagen als abschließend bewiesen darzustellen?
Mit dem französischen Kinostart beginnt eine breitere europäische Auswertung. Nach derzeitiger Planung soll Naza Ende November 2026 weltweit kostenlos über die Internetseite des Guardian abrufbar sein. In Frankreich ist der Film für ein allgemeines Publikum freigegeben, wird wegen seiner belastenden Inhalte jedoch mit einem Warnhinweis gezeigt.
Quellen
- Franceinfo
- La Biennale di Venezia
- Associated Press
- AlloCiné
- NAZA Documentary
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).