Donnerstagabend, 10. Juli, kurz nach 21 Uhr. Ein friedliches Wohnviertel in Pont-de-Claix bei Grenoble wird plötzlich zum Schauplatz eines Albtraums, der kaum in Worte zu fassen ist.
Ein acht Monate altes Baby, gerade einmal am Anfang seines Lebens, wird von zwei Hunden angegriffen und schwer verletzt. Die Tiere – ersten Angaben zufolge Staffordshire Terrier – stürzen sich ohne Vorwarnung auf das Kleinkind, während die Familie nur wenige Meter entfernt ist.
Der kleine Körper erleidet tiefe Bisswunden an Armen und Beinen. Kaum vorstellbar, wie hilflos dieses Kind in diesen Sekunden gewesen sein muss.
Feuerwehr und Notärzte treffen rasch ein. Die Einsatzkräfte vor Ort entscheiden sofort, dass keine Zeit verloren werden darf. Das Kind wird als in „absolut lebensbedrohlichem Zustand“ eingestuft und direkt ins Universitätsklinikum Grenoble Alpes nach La Tronche gebracht, in die Spezialabteilung für Kinder.
Am Freitagmorgen bleibt der Zustand des Babys kritisch. Weitere offizielle Informationen zum Verlauf gibt es bislang nicht. Laut französischen Medien wurde das Kind mindestens zweimal schwer gebissen, bevor es von Rettungskräften versorgt werden konnte.
Doch der Angriff selbst war erst der Anfang einer Eskalation, die an diesem Abend ihren Lauf nahm.
Unmittelbar nach dem Vorfall bricht ein Streit aus. Die Familie des Babys gerät mit dem Besitzer der Hunde aneinander. Worte reichen nicht aus, Fäuste fliegen. Der 42-jährige Mann wird dabei so schwer verletzt, dass auch er in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss – ebenfalls in lebensbedrohlichem Zustand.
Ein Polizist, der versucht, die Lage zu beruhigen, wird ebenfalls verletzt und zur Klinik Les Cèdres gebracht.
Warum griffen die Hunde überhaupt an? Diese Frage steht nun im Zentrum der Ermittlungen.
Die örtliche Gendarmerie prüft, ob die Tiere ordnungsgemäß gehalten wurden, ob gesetzliche Auflagen verletzt wurden und welche Umstände zu dieser Attacke führten. Gerade bei Staffordshire Terriern – oft umgangssprachlich als Kampfhunde bezeichnet – gelten in Frankreich strenge Vorschriften. Besitzer benötigen Genehmigungen, die Tiere müssen registriert sein, Leinen- und Maulkorbpflicht gelten in der Öffentlichkeit ohne Ausnahme.
Wurden diese Regeln missachtet, drohen strafrechtliche Konsequenzen.
Viele Hundehalter verteidigen ihre Tiere und betonen, kein Hund werde böse geboren. Erziehung und Sozialisation seien entscheidend. Doch wenn es dann doch passiert – wenn ein Baby mit tiefen Bisswunden ins Krankenhaus gebracht wird – verliert diese Debatte ihre theoretische Leichtigkeit.
Für die Eltern und Angehörigen des kleinen Jungen ist jetzt alles andere nebensächlich. Angst, Wut, Schuldgefühle, Verzweiflung – ein unbändiger Strudel aus Emotionen. Jeder von ihnen stellt sich die gleiche Frage: Wie konnte das passieren?
Auch die Gesellschaft wird sich diese Frage stellen müssen. Genügen die aktuellen Gesetze wirklich? Braucht es strengere Auflagen für solche Hunde in privaten Haushalten? Oder geht es vor allem um eine lückenlose Umsetzung der bestehenden Regeln und mehr Verantwortungsbewusstsein der Halter?
Die Polizei ermittelt weiter. Ob menschliches Fehlverhalten oder eine unvorhersehbare Reaktion der Tiere zu dieser Tragödie führte, wird letztlich entscheiden, welche juristischen Folgen der Vorfall hat.
Dieser Fall zeigt auf brutale Weise, dass der „beste Freund des Menschen“ in Sekunden zum schlimmsten Albtraum werden kann.
Und doch liegt der Schlüssel nicht allein im Wesen des Hundes. Vielmehr in der Verantwortung seiner Menschen. Vielleicht sollten wir aufhören, nur zu fragen, ob bestimmte Rassen gefährlich sind. Sondern stärker darüber sprechen, wie wir verhindern, dass sie gefährlich werden.
Die nächsten Tage werden entscheidend sein. Für das Baby, dessen Zukunft ungewiss ist. Für die Familie, die um sein Leben bangt. Und für eine Gesellschaft, die immer wieder vor der gleichen schwierigen Frage steht: Wie viel Risiko sind wir bereit einzugehen, wenn es um den treuen Begleiter Hund geht?
Autor: Daniel Ivers