Paris – 25.07.2026: Die Kinowoche, die am Mittwoch, dem 22. Juli, begonnen hat, hält drei Filme bereit, die kaum unterschiedlicher sein könnten und doch eine gemeinsame Frage umkreisen: Was geschieht, wenn Rollen, Erwartungen und Wirklichkeit nicht mehr sauber auseinanderzuhalten sind? Die französische Komödie "De la Comédie-Française", Hanna Bergholms Horrorfilm "Nightborn" und Ulrich Köhlers Drama "Gavagai und andere Missverständnisse" setzen dabei auf sehr verschiedene Tonlagen.
Am leichtesten scheint zunächst "De la Comédie-Française" daherzukommen. Martin Darondeau und Bertrand Usclat haben ihren Film gemeinsam mit Pauline Clément geschrieben und die berühmte Theatertruppe selbst vor die Kamera geholt. Florence Viala, Guillaume Gallienne, Laurent Stocker, Julie Sicard und zahlreiche weitere Mitglieder des Ensembles spielen mit. Der Titel meint nicht etwa eine Dokumentation, sondern eine Komödie, in der sich eine traditionsreiche Bühne mit erfrischender Selbstironie betrachtet.
Das ist durchaus ein kleines Ereignis: Die Comédie-Française, 1680 gegründet und oft schlicht Le Français genannt, ist Frankreichs ältestes noch bestehendes Theaterensemble. Ihr Filmstart bringt eine Institution ins Kino, die gewöhnlich an der Salle Richelieu im Herzen von Paris verortet wird. Gerade die Begegnung von fest gefügter Theaterwelt und dem beweglicheren, unberechenbaren Filmformat verspricht ihren eigenen Witz. Der Film dauert 75 Minuten und kam am 22. Juli in Frankreich heraus.
Ganz anders operiert "Nightborn" der finnischen Regisseurin Hanna Bergholm. Nach ihrem Debüt "Egō" bleibt sie dem Körperhorror treu, also jenem Genre, das seelische Konflikte in verstörende körperliche Bilder übersetzt. Mit Seidi Haarla, Rupert Grint und Pamela Tola erzählt der 92-minütige Film von Mutterschaft, Überforderung und dem Gefühl, einer kaum benennbaren Bedrohung ausgeliefert zu sein. Bergholm knüpft dabei an finnische Folklore an, ohne die Gegenwart aus dem Blick zu verlieren.
Wer weniger das Erschrecken als die Reibung der Perspektiven sucht, findet sie in "Gavagai und andere Missverständnisse". Ulrich Köhlers deutschsprachiges Drama beginnt bei den chaotischen Dreharbeiten zu einer "Medea"-Adaption im Senegal. Die deutsche Schauspielerin Maja und ihr Kollege Nourou begegnen sich später bei einer Berliner Premiere erneut; ein rassistischer Zwischenfall verschiebt die ohnehin brüchige Lage. Der Film interessiert sich für das, was zwischen Sprachen, Ländern und persönlichen Erinnerungen verloren geht.
So entsteht kein einheitliches Wochenprogramm, wohl aber ein reizvoller Dreiklang. "De la Comédie-Française" lädt zur klugen Selbstparodie einer nationalen Kulturinstitution, "Nightborn" zum dunklen Märchen über die Ambivalenzen elterlicher Liebe, "Gavagai und andere Missverständnisse" zur geduldigen Beobachtung kultureller und emotionaler Übersetzungsarbeit. Wer ins Kino geht, darf diesmal zwischen Bühnenfuror, nervösem Schauder und nachdenklichem Beziehungsdrama wählen – eine ungewöhnlich gescheite Auswahl für warme Julitage.
Quellen
- Franceinfo Culture
- Comédie-Française
- AlloCiné
- UniFrance
- Critique Film
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).