Cherson – 05.08.2026: Ein Mann rennt über einen Markt, sucht hinter einem Lieferwagen Schutz und versucht, einer kleinen Drohne auszuweichen. Die Polizei der ukrainischen Stadt Cherson veröffentlichte am Dienstag ein Video, das diesen Angriff zeigen soll. Nach Angaben der Behörde wurde ein 52 Jahre alter Gemüsehändler von einer mutmaßlich russischen FPV-Drohne verfolgt und verletzt.
Der Mann habe Splitterverletzungen erlitten und unter Schock gestanden, den Angriff aber überlebt, teilte die Polizei mit. Sein Name wurde nicht genannt. Die Aufnahme zeigt eine kurze, hektische Flucht aus der Perspektive einer Kamera am Boden. Ob das veröffentlichte Material den gesamten Ablauf wiedergibt, ist nicht bekannt. Eine unabhängige forensische Prüfung des Videos lag zunächst nicht vor.
Die ukrainischen Behörden machen russische Streitkräfte für den Angriff verantwortlich. Eine Stellungnahme Moskaus zu dem konkreten Vorwurf war zunächst nicht bekannt. Ukrainische Stellen und Einwohner Chersons sprechen bei vergleichbaren Attacken von einer "menschlichen Safari". Der drastische Ausdruck beschreibt den Vorwurf, Drohnenbesatzungen würden unbewaffnete Menschen auf Straßen oder Plätzen gezielt verfolgen. Er ersetzt jedoch keine juristische Bewertung des einzelnen Vorfalls.
Cherson liegt am westlichen Ufer des Dnipro und wurde im November 2022 von ukrainischen Truppen zurückerobert. Russische Einheiten halten weiterhin Gebiete auf der gegenüberliegenden Flussseite. Wegen der geringen Entfernung ist die Stadt regelmäßig Artilleriefeuer und Drohnenangriffen ausgesetzt. Die Front verläuft so nah, dass selbst alltägliche Wege zum Markt, zur Arbeit oder zu einer Haltestelle lebensgefährlich werden können.
FPV-Drohnen werden aus der Ich-Perspektive gesteuert: Eine Kamera überträgt Bilder in Echtzeit an den Piloten. Die kleinen Fluggeräte sind vergleichsweise wendig und können einzelne Fahrzeuge oder Personen ansteuern. In dicht bebauten Gebieten bleiben den Betroffenen häufig nur Sekunden, um Deckung zu finden. Ihre militärische Herkunft oder der konkrete Startpunkt lassen sich anhand kurzer Aufnahmen meist nicht zweifelsfrei bestimmen.
Die UN-Menschenrechtsbeobachtung stellte bereits 2025 fest, dass Kurzstreckendrohnen in ukrainischen Frontgebieten zu einer wesentlichen Ursache ziviler Opfer geworden seien. Für Mai 2026 meldete sie landesweit 64 getötete und 539 verletzte Zivilisten durch solche Angriffe. In der Region Cherson wurden im selben Monat nach UN-Angaben 14 Menschen getötet und 221 verletzt.
Die ukrainischen Ermittler prüfen nach eigenen Angaben, welche russische Einheit und welche Drohnenbesatzung verantwortlich sein könnten. Ob bereits Verdächtige identifiziert wurden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mit. Dokumentiert ist bislang vor allem das Schicksal des Händlers: Er überlebte den Angriff verletzt.
Quellen
- Franceinfo
- Nationale Polizei der Ukraine
- UN-Menschenrechtsbeobachtung in der Ukraine
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).