Marseille – 18.10.2026: Zerbrochene Scheiben, aufgebrochene Rollläden und verwüstete Verkaufsflächen prägen am Sonntag Teile der Innenstadt von Marseille. Nach der landesweiten Mobilisierung gegen die hohen Lebenshaltungskosten am Vortag wurden zahlreiche Geschäfte angegriffen und geplündert. Besonders betroffen waren nach Angaben aus dem örtlichen Handel die Einkaufsstraßen zwischen Vieux-Port, Canebière und Rue Saint-Ferréol.
Nicole Richard-Verspieren, Präsidentin der Vereinigung der Innenstadt-Händler, sprach von einem außergewöhnlichen Ausmaß. Nach ihrer Einschätzung seien rund 80 Prozent der großen Geschäftsachsen von Plünderungen betroffen. Die Angabe beschreibt den Anteil betroffener Einkaufsstraßen, nicht den Anteil aller dort ansässigen Läden. Sie stammt zudem vom Handelsverband; eine amtliche Gesamtbilanz der beschädigten oder ausgeraubten Geschäfte lag bis Sonntagnachmittag nicht vor.
Der Samstag hatte in Marseille mit einer Kundgebung gegen die steigenden Lebenshaltungskosten begonnen. Im Laufe des Tages kam es am Rand und abseits der Proteste zu schweren Ausschreitungen. Gruppen drangen zeitweise in das Rathaus ein und richteten dort Schäden an. Medienberichten zufolge wurde außerdem eine Dienststelle der kommunalen Polizei angegriffen und beschädigt.
In den Geschäftsstraßen traf die Gewalt kleine Läden ebenso wie Filialen größerer Unternehmen. Schaufenster wurden eingeschlagen, Gitter und Türen aufgebrochen, Waren entwendet. Für die betroffenen Betriebe begann am Sonntag die Bestandsaufnahme: Eingänge mussten gesichert, Lagerbestände geprüft, Schäden dokumentiert und Versicherungen informiert werden. Hinzu kamen Einnahmeausfälle, weil Geschäfte geschlossen blieben oder wegen der Verwüstungen nicht öffnen konnten. Aufräum- und Sicherungsarbeiten dauerten in mehreren Straßenzügen an.
Widersprüchliche Angaben gibt es zu möglichen Warnungen vor den Ausschreitungen. Richard-Verspieren erklärte, weder das Rathaus noch die Präfektur hätten die Händler ausdrücklich zur Schließung aufgefordert. Das Online-Medium Marsactu berichtete dagegen, Geschäfte an der Rue Saint-Ferréol seien auf Rat der Präfektur geschlossen worden. Eine öffentliche Stellungnahme der Präfektur, die diesen Widerspruch auflösen könnte, lag zunächst nicht vor.
Bürgermeister Benoît Payan hatte am Samstag erklärt, er habe wegen der Lage zusätzliche Polizeikräfte angefordert. Die Regierung meldete am Abend landesweit Festnahmen sowie Verletzte unter den Sicherheitskräften. Wie viele Menschen allein in Marseille festgenommen wurden und wie viele Ermittlungsverfahren wegen Einbruchs, Sachbeschädigung oder Plünderung eingeleitet wurden, war zunächst nicht abschließend bekannt.
Der Hotel- und Gaststättenverband UMIH verurteilte die Gewalt und verlangte einen besseren Schutz von Betrieben bei künftigen Großkundgebungen. Wann alle betroffenen Geschäfte wieder öffnen können, hängt vom Umfang der jeweiligen Schäden ab. Eine zusammengeführte behördliche Schadensbilanz für die Innenstadt wurde am Sonntag noch nicht veröffentlicht.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- AFP via Boursorama
- Marsactu
- UMIH
- Ville de Marseille
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).