Die Welt der Desinformation kennt keine Pause.
Kaum hatten sich die letzten Wogen um eine KI-generierte Missbrauchsvideo-Affäre gelegt, da trifft Brigitte Macron Anfang Juli 2025 schon der nächste Schlag: Ein gefälschtes Nachrichtenportal verbreitet dreiste Lügen über Frankreichs Première Dame – und geht dabei ausgesprochen skrupellos vor.
Diesmal bedienten sich die Drahtzieher einer besonders perfiden Masche.
Sie veröffentlichten auf einem falschen News-Portal namens „enquetedujour.fr“ die Behauptung, ein Chirurg aus Paris habe angebliche Beweise für die Transidentität Brigitte Macrons gesammelt – und sei kurz darauf tot aufgefunden worden.
Ein krudes Szenario, das klingt wie aus einer verschwörungsideologischen Netflix-Serie. Doch der Schaden ist real.
Um ihrer Lüge Gewicht zu verleihen, usurpierte die Seite die Identität von fünf echten Journalistinnen und Journalisten. Ein Missbrauch, der an bekannte prorussische Desinformationsmethoden erinnert – inklusive gefälschtem Video.
Angeblich zeigte das veröffentlichte Video ein Interview mit besagtem Arzt. Die Realität: Das Video war ein reines KI-Konstrukt. Der präsentierte Mann existiert nicht, seine Aussagen wurden digital zusammengesetzt. Eine filmische Chimäre mit nur einem Ziel – Zweifel säen.
Diese jüngste Attacke reiht sich nahtlos in ein Netz aus alten und neuen Verschwörungstheorien ein.
Seit 2021 kursiert hartnäckig die Behauptung, Brigitte Macron sei als Mann mit dem Namen Jean-Michel Trogneux geboren worden – dem Vornamen ihres Bruders. Eine Lüge, die zunächst in rechten und verschwörungsideologischen Kreisen brodelte, bevor sie ihren Weg in den Mainstream fand.
2023 mussten zwei Frauen, die diese Gerüchte systematisch gestreut hatten, Schadenersatz an Brigitte Macron und ihren Bruder zahlen. Ein gerichtliches Machtwort – doch das Gift der Desinformation wirkte weiter.
Denn was einmal in die Welt gesetzt ist, lässt sich kaum wieder einfangen.
Wie ein Gerücht, das im Dorf laut geflüstert wird, bis es irgendwann keiner mehr hinterfragt.
Auch internationale Stimmen griffen die Mär auf. So zum Beispiel die US-amerikanische Kommentatorin Candace Owens, die ihre Reichweite nutzte, um das Narrativ auf amerikanischen Boden zu verbreiten.
Und während Influencer:innen im Westen die Lüge teils aus politischem Kalkül wiederholten, verfolgten andere Akteure ganz andere Ziele.
Frankreich wirft Russland mittlerweile vor, die meisten dieser Attacken orchestriert zu haben. Erst vor wenigen Monaten tauchte ein KI-generiertes Video auf, in dem Brigitte Macron beschuldigt wird, einen Schüler sexuell missbraucht zu haben. Diese digitale Fälschung erreichte binnen kürzester Zeit fast zehn Millionen Aufrufe.
Das Muster dahinter? Eine hybride Kriegsführung im Informationsraum.
Denn längst nutzen Staaten wie Russland Desinformation als strategische Waffe. Wo früher Panzer rollten, reichen heute manipulative Videos, Bots und Fake-Accounts, um Gesellschaften zu spalten und Demokratien zu destabilisieren.
Die französische Regierung reagiert zunehmend entschlossen.
Emmanuel Macron forderte ein härteres Vorgehen gegen Desinformation auf Social Media und sprach von einem notwendigen „ordre public numérique“. Ein Begriff, der klingt wie aus einem Cyberpunk-Roman – und doch beschreibt er den Alltag unserer vernetzten Welt.
Auch auf europäischer Ebene wird nun über strengere Maßnahmen diskutiert. Sanktionen gegen Individuen und Organisationen, die gezielt Desinformation streuen, stehen zur Debatte.
Denn hinter diesen Angriffen steckt mehr als nur billige Polemik. Sie sind Teil einer Strategie, Vertrauen zu untergraben. Vertrauen in Personen. In Institutionen. In Wahrheit an sich.
Und genau das macht diese Geschichte so gefährlich.
Die Fake-News-Affäre um Brigitte Macron ist kein französisches Kuriosum. Sie ist ein Lehrstück darüber, wie brüchig der Boden geworden ist, auf dem unsere demokratische Debatte steht. Bleibt nur eine Frage: Wer glaubt am Ende noch, was wirklich wahr ist?
Autor: C.H.