Der Richterspruch kam an einem Montagmorgen, nüchtern verkündet, aber mit enormer Wucht. Yann Bompard, Bürgermeister der südfranzösischen Stadt Orange, darf für fünf Jahre kein politisches Mandat mehr ausüben. Das Urteil gilt sofort. Zusätzlich verhängte das Strafgericht von Marseille 18 Monate Haft auf Bewährung. Wenige Wochen vor den Kommunalwahlen gleicht diese Entscheidung einem politischen Erdbeben.
Im Zentrum des Verfahrens stand der Vorwurf eines fiktiven Beschäftigungsverhältnisses. Yann Bompard soll weiterhin als parlamentarischer Mitarbeiter geführt worden sein, obwohl er diese Tätigkeit längst nicht mehr ausübte, nachdem er seinem Vater Jacques Bompard im Bürgermeisteramt von Orange nachgefolgt war. Ein klassischer Fall, sagen Juristen, bei dem Nähe, Macht und Gewohnheit eine unheilvolle Mischung eingingen.
Mitverurteilt wurde auch die Abgeordnete Marie-France Lorho. Sie habe es unterlassen, das Arbeitsverhältnis zu beenden, obwohl ihr bewusst gewesen sei, dass die Arbeit nicht mehr geleistet wurde. Das Gericht sprach auch gegen sie eine fünfjährige Unwählbarkeit mit sofortiger Wirkung aus. Eine Strafe, die ihre politische Zukunft abrupt einfriert.
Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer harte, aber nicht ungewöhnliche Sanktionen gefordert. Das Gericht blieb in diesem Rahmen, ging jedoch in einem Punkt weiter: Die sofortige Vollstreckung der Unwählbarkeit. Genau hier liegt der politische Zündstoff. Selbst ein mögliches Rechtsmittel ändert daran zunächst nichts. Für Orange bedeutet das: Der amtierende Bürgermeister ist faktisch entmachtet, noch bevor der Wahlkampf richtig begonnen hat.
In der Stadt herrscht eine Mischung aus Fassungslosigkeit, Erschöpfung und stillem Schulterzucken. Manche sprechen von einem längst erwarteten Ende, andere von einem Justizschlag zur Unzeit. Klar ist nur: Dieses Urteil verschiebt die Machtachsen in Orange – und darüber hinaus. Denn der Fall reiht sich ein in eine Serie von Affären, die das Vertrauen in politische Ämter weiter aushöhlen. Oder, wie man auf dem Wochenmarkt hört: „Das hat sich irgendwie angebahnt.“
Autor: Daniel Ivers