Ein 2,17 Meter langer Fisch, ein berühmter Komiker und die Seine – was wie der Anfang eines absurden Witzes klingt, wurde am 1. Mai 2025 zur kuriosen Realität. Jamel Debbouze, zufällig mit seiner Familie auf der Île Saint-Louis unterwegs, geriet unverhofft in ein echtes Drama der Natur: Der Biophysiker Bill François zog mit bloßen Händen einen monströsen Wels aus dem Wasser. Und Paris staunte.
Das Video ging viral – zu Recht.
Denn es war nicht nur die Größe des Fisches, die für Staunen sorgte. Es war die Szenerie: Mitten im Herzen der Hauptstadt, wenige Schritte von Notre-Dame entfernt, entfaltete sich ein Naturspektakel, das man eher in entlegenen Flusslandschaften erwartet hätte. Und Jamel Debbouze, der das Geschehen filmte, wurde Zeuge und Pate zugleich – der Fisch wurde auf seinen Namen getauft. Kein Scherz.
Pariser Flusssauna mit Überraschungseffekt
Der Wels, in Frankreich Silure genannt, ist kein Neuling in der Seine. Seit den 1980er-Jahren lebt er hier, still, riesig, gefräßig. Dass ein Exemplar über zwei Meter lang wird, ist nicht die Regel – aber auch keine Sensation mehr. Besonders im Val-de-Marne, etwas flussabwärts, melden Angler regelmäßig solche Fänge. Nur: Die wenigsten schwimmen direkt unter dem Pont Marie spazieren.
Und doch – dort war er. 2,17 Meter lang, schwer, lebendig. Quicklebendig. Das Tier wurde nach dem Wiegen wieder freigelassen – ein Zeichen des Respekts gegenüber dieser urbanen Wildnis, die viele längst abgeschrieben hatten.
Natur statt Netflix: Die Seine überrascht
Diese Szene führt uns etwas sehr Deutliches vor Augen: Die Natur ist näher, als wir glauben. Während viele die Seine als schmutzig, leblos oder gar gefährlich abtun, schwimmen dort heute Hechte, Zander – und eben auch große Welse. Nicht nur Mikroorganismen überleben in diesem urbanen Biotop, sondern regelrechte Giganten.
Und wie reagieren wir?
Mit kindlichem Staunen. Mit Kameras. Mit Respekt – zumindest in diesem Fall. Das Video von Debbouze fängt nicht nur einen außergewöhnlichen Moment ein, sondern auch ein Gefühl: Paris lebt, pulsiert, atmet. Und manchmal bricht sich darin eine Wildheit Bahn, die wir längst vergessen hatten.
Ein Fisch, viele Fragen
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Welse gelten als invasive Art. Sie sind gefräßig, anpassungsfähig, sie jagen sogar Tauben und Enten. Ihr Einfluss auf das Ökosystem ist umstritten, manche fordern ihre Regulierung. Andere wiederum sehen sie als neue Realität – als Teil einer sich wandelnden städtischen Natur.
Eines steht fest: Zum Verzehr eignen sich diese Riesen kaum. Zu viel Schwermetall, zu viele Umweltgifte – ein Wels ist ein Spiegel der Wasserqualität, und der Blick hinein ist nicht immer schön. Aber sein Anblick hat Kraft.
Ein stiller Held – und ein lauter Moment
In einer Welt, in der wir ständig nach Neuem gieren, war dieser Moment ein Geschenk: ein stiller, roher, ehrlicher Augenblick. Kein inszenierter Naturfilm, kein Hightech-Rendering, keine Drohne. Nur ein Mensch, ein Fisch, ein Komiker – und die Stadt.
Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte: Dass es diese Magie noch gibt. Dass sie mitten im Alltag aufblitzen kann. Und dass ein Fisch namens „Jamel“ uns für einen Moment vergessen lässt, wie laut, stressig und entzaubert unsere Welt manchmal wirkt.
Von Catherine H.