Es gibt Künstlerinnen, die begleiten Generationen, ohne sich jemals aufzudrängen. Nana Mouskouri gehört zu ihnen. Ihre Stimme war nie laut, nie effekthascherisch, und doch unverkennbar. Nun wird sie für ihr Lebenswerk geehrt. Die legendäre Sängerin erhält bei der 41. Ausgabe der Victoires de la Musique den Ehrenpreis – eine Auszeichnung, die nicht oft vergeben wird und gerade deshalb Gewicht hat.
Die Zeremonie findet am Freitag, dem 13. Februar, in der Pariser Seine Musicale statt. Ein Datum, das für andere Unglück verheißt, für Nana Mouskouri jedoch wie ein leiser Triumph wirkt. Im September 2024 hatte sie sich endgültig von der Bühne verabschiedet. Kein dramatischer Abgang, kein großes Tamtam. Einfach ein Abschied, so ruhig und würdevoll wie ihre Karriere selbst.
Geboren 1934 auf Kreta, begann Nana Mouskouri ihren musikalischen Weg in einer Zeit, in der internationale Karrieren eher die Ausnahme als die Regel waren. Sie sang sich dennoch über Grenzen hinweg – sprachlich wie kulturell. Mehr als 1.500 Lieder, rund ein Dutzend Sprachen, Auftritte auf allen Kontinenten. Ein Weltstar, lange bevor dieser Begriff inflationär gebraucht wurde.
Frankreich spielte dabei eine besondere Rolle. Mouskouri war frankophil, sprach die Sprache fließend und traf hier einen Nerv. 15 Millionen verkaufte Tonträger, 17 Goldene Schallplatten – Zahlen, die nüchtern wirken, aber eine enorme Nähe zum Publikum spiegeln. Ihre Lieder gehörten in französische Wohnzimmer wie das Baguette auf den Küchentisch. Man kannte sie. Man vertraute ihr.
Noch im April 2024 stand sie in Athen auf der Bühne und sang die Marseillaise bei der Zeremonie zur Übergabe der olympischen Flamme. Ein Moment voller Symbolik. Die Griechin, die Frankreich eine Stimme gab. Wer dabei war, erzählt von Gänsehaut. Kein Schnickschnack, keine Effekte – nur Stimme, Haltung und Geschichte.
Der Ehrenpreis der Victoires de la Musique existiert seit 1990. Er wird nicht jedes Jahr verliehen, sondern nur dann, wenn eine Karriere danach verlangt. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Ikonen wie Charles Aznavour, Jane Birkin oder Johnny Hallyday. 2025 wurden Sylvie Vartan und Eddy Mitchell ausgezeichnet. Nun reiht sich Nana Mouskouri in diese Galerie der Großen ein. Und irgendwie passt sie dort perfekt hinein, auch wenn sie sich selbst wohl nie so bezeichnet hätte.
Die diesjährige Preisverleihung, live im französischen Fernsehen ab 21 Uhr, steht zugleich im Zeichen einer neuen Generation. Theodora führt mit fünf Nominierungen das Feld an, Charlotte Cardin und Aya Nakamura folgen dicht dahinter. Bei den Männern konkurrieren Orelsan, Disiz und Pierre Garnier um die Auszeichnung als Künstler des Jahres. Das Rampenlicht gehört an diesem Abend vielen. Doch wenn Nana Mouskouri die Bühne betritt, wird es still werden. Kurz. Ehrfürchtig. Und sehr menschlich.
Autor: C.H.