Kultur

Ellen Allien findet auf “New Life” neue Unruhe im Berliner Techno

Die Berliner Produzentin Ellen Allien führt auf ihrem Album "New Life" ihre unverkennbare Klangsprache fort. Zehn Stücke verbinden körperlichen Techno, dunkle Euphorie und ökologische Unruhe.

Berlin – 10.08.2026: Mit "New Life" legt die Berliner Technoproduzentin Ellen Allien ein Album vor, das den Club als Ort der Bewegung, aber auch der Zumutung begreift. Die Platte erschien am 9. Juli auf ihrem Label BPitch und versammelt zehn Titel in knapp 45 Minuten. Eine aktuelle Würdigung des französischen Senders Franceinfo rückt damit eine Künstlerin ins Licht, die seit mehr als drei Jahrzehnten den Ruf Berlins als Technostadt mitprägt.

Allien, die mit bürgerlichem Namen Ellen Fraatz heißt, gehört zu jener Generation, die nach dem Mauerfall aus Berliner Leerstellen und langen Nächten eine eigene musikalische Sprache formte. Ihr Debüt "Stadtkind" von 2001 war ein frühes Porträt der wiedervereinigten Hauptstadt: rau, futuristisch und eigensinnig. BPitch wurde dabei weit mehr als ein Plattenlabel. Es entwickelte sich zu einem Labor für elektronische Musik jenseits bequemer Genregrenzen.

"New Life" knüpft an diese Haltung an, ohne sich im eigenen Mythos einzurichten. Schon die Titelliste verbindet programmatische Aufforderungen wie "Be Your Own Leader", "Steh Auf" und "Riot" mit weicheren Momenten wie "Wonderful Moment" oder "Mein Herz". Die Musik ist auf Vorwärtsdrang gebaut: pochende Bassfiguren, scharf gezogene Synthesizerlinien und Stimmen, die weniger erzählen, als Signale in die Dunkelheit zu senden.

Das Album wurde nach Angaben der Künstlerin zwischen Berlin, Miami und Ibiza entwickelt. Seine Klangwelt nimmt wiederholt das Meer in den Blick: Wellen, Vogelrufe und räumliche Geräusche treten gegen die Maschine an. Dahinter steht ein politischer Gedanke. Allien verbindet persönliche Selbstbestimmung mit gemeinschaftlicher Verantwortung und dem Schutz bedrohter Natur, ohne daraus ein belehrendes Konzeptalbum zu machen.

Techno war bei Ellen Allien nie bloß Kulisse für Eskapismus; er kann ebenso eine Form von Wachheit sein. Die Tanzfläche erscheint als sozialer Raum, in dem Körper für einige Stunden eine Ordnung erproben, die draußen oft fehlt. Die dunkleren Passagen von "New Life" halten diese Erfahrung offen, statt sie mit dem vertrauten Glücksversprechen des Festivals zu versiegeln.

Dass Allien weiterhin auf BPitch veröffentlicht, gehört zu dieser künstlerischen Konsequenz. Das von ihr geprägte Berliner Label steht seit den neunziger Jahren für Eigenständigkeit sowie für die Verbindung von DJ-Kultur, visueller Kunst und Pop-Affinität. "New Life" klingt daher keineswegs wie ein nostalgischer Rückblick auf die große Zeit des Minimal Techno. Es ist die konzentrierte Fortschreibung einer Handschrift, die ihre Unruhe nie abgelegt hat.

Die zehn Stücke entfalten ihren Reiz als zusammenhängende Nachtfahrt: von "Cruising" über "Lights Off" bis zum abschließenden "Bella". Ellen Allien setzt auf Reibung statt glatter Perfektion, auf die kleine Verunsicherung im Takt. Berlin erscheint hier nicht als Postkarte, sondern als akustischer Zustand: laut, verletzlich, widerständig und bis zum Morgen hellwach.

Quellen

  • Franceinfo Kultur
  • Ellen Allien offizielle Website
  • Ellen Allien auf Bandcamp
  • Apple Music

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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