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„Es ist ein Wunder“ – Wie ein 84-Jähriger nach 48 Stunden aus einer Felsspalte bei Nizza gerettet wurde

Zwei eisige Nächte, steiles Gestrüpp, ein Sturz ins Nichts – und am Ende ein Satz, den erfahrene Retter nur selten aussprechen: „C’est un miracle.“ Ein Wunder. In den Hügeln oberhalb von Nizza ist ein 84 Jahre alter Mann lebend gefunden worden, nachdem er beinahe 48 Stunden am Grund einer schwer zugänglichen Schlucht ausgeharrt hatte. Was…

Illustration Mat Napo

Zwei eisige Nächte, steiles Gestrüpp, ein Sturz ins Nichts – und am Ende ein Satz, den erfahrene Retter nur selten aussprechen: „C’est un miracle.“ Ein Wunder.

In den Hügeln oberhalb von Nizza ist ein 84 Jahre alter Mann lebend gefunden worden, nachdem er beinahe 48 Stunden am Grund einer schwer zugänglichen Schlucht ausgeharrt hatte. Was leicht in einer Tragödie hätte enden können, entwickelte sich zu einer Geschichte, die selbst routinierte Einsatzkräfte bewegt.

Alles begann mit einem gewöhnlichen Spaziergang. Der Rentner, in der Nachbarschaft als rüstig und naturverbunden bekannt, verließ am Vormittag sein Zuhause. Die Höhenlagen rund um die Stadt locken mit Pinienwäldern, schmalen Pfaden und Ausblicken auf das Mittelmeer. Wer hier unterwegs ist, spürt Freiheit. Doch die Idylle trügt.

Als der Mann am Abend nicht zurückkehrte, wuchs die Unruhe. Angehörige alarmierten die Behörden. In den Alpes-Maritimes greifen in solchen Momenten eingespielte Abläufe: Feuerwehr, Spezialeinheiten für schwieriges Gelände und Hubschrauberbesatzungen koordinieren Suchraster, prüfen Hinweise, befragen Anwohner.

Das Gelände stellte die Helfer vor Herausforderungen. Steile Terrassen, brüchige Natursteinmauern, dichte Vegetation – ein falscher Schritt genügt. Mobilfunkempfang? Lückenhaft. Sicht? Kaum gegeben. Die Stunden vergingen.

Währenddessen lag der Vermisste am Boden einer engen Felsschlucht. Er hatte sich bei einem Sturz verletzt und konnte aus eigener Kraft nicht mehr hinaufklettern. Nachts sinken derzeit die Temperaturen auch an der Côte d’Azur empfindlich, besonders in feuchten Senken. Für einen Mann in diesem Alter bedeutet das akute Gefahr durch Unterkühlung.

Und doch hielt er durch.

Retter berichten später, er habe sich möglichst wenig bewegt, um Energie zu sparen. Eine Überlebensstrategie, instinktiv oder bewusst – niemand weiß es genau. Aber sie zahlte sich aus. „Er war erschöpft, aber bei Bewusstsein“, sagte der Einsatzleiter später. In solchen Momenten entscheidet jedes Detail.

Erst am zweiten Tag verdichteten sich die Hinweise auf ein bestimmtes Gebiet. Ein Team des Service départemental d'incendie et de secours des Alpes-Maritimes entdeckte schließlich den Mann – verborgen unter Büschen, kaum sichtbar von oben.

Die Bergung glich einer Präzisionsarbeit. Seile wurden verankert, der Hang gesichert, ein Helikopter zur Unterstützung angefordert. Als die Trage langsam nach oben gezogen wurde, wich die Anspannung aus den Gesichtern der Helfer. Manche schüttelten ungläubig den Kopf. Ganz ehrlich: Mit so einem Ausgang rechnete nach zwei Nächten kaum noch jemand.

Die Hügel um Mont Boron, Cimiez oder den Col d’Èze gelten als Paradies für Spaziergänger. Doch sie verlangen Respekt. Wer allein unterwegs ist, überschätzt leicht die eigene Trittsicherheit. Besonders im Alter steigt das Risiko schwerer Verletzungen nach einem Sturz erheblich.

Im Krankenhaus stellten Ärzte Dehydrierung und mehrere Verletzungen fest, doch Lebensgefahr bestand nicht mehr. Für die Familie endete eine Zeit der Ungewissheit mit Erleichterung – und Tränen.

Solche Rettungen zeigen, wie viel Professionalität und Ausdauer in den regionalen Einsatzkräften steckt. Sie zeigen aber auch, wie schmal der Grat zwischen Alltag und Ausnahmezustand ist.

Manchmal kippt ein Spaziergang in Sekunden.

Und manchmal schreibt das Leben Geschichten, die selbst abgeklärte Feuerwehrleute staunen lassen.

Daniel Ivers

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