Crépol – 24.07.2026: Fast drei Jahre nach der tödlichen Nacht beim Winterball von Crépol hat die Justiz im Fall des 16-jährigen Thomas Perotto einen neuen rechtlichen Akzent gesetzt. Die zuständige Ermittlungsrichterin berücksichtigte bei allen 14 Beschuldigten den strafverschärfenden Umstand einer rassistischen Tatmotivation. Bekannt wurde die Entscheidung am Donnerstag, dem 23. Juli 2026.
Thomas Perotto war in der Nacht vom 18. auf den 19. November 2023 nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung vor dem Festsaal des Dorfes in der Drome tödlich verletzt worden. Mehrere weitere junge Menschen wurden verletzt. Der Fall erschütterte die Region und wurde rasch zu einem landesweit aufgeladenen Thema, in dem Trauer, Angst und politische Deutungen immer wieder ineinandergriffen.
Nach übereinstimmenden Berichten stützt sich die neue rechtliche Einordnung auf Aussagen von Zeugen, die am Ende des Ballabends rassistische Äußerungen gehört haben wollen. Die Ermittlungsrichterin nahm deshalb in einem zweiten Abschlussvermerk vom 20. Juli eine Neubewertung der Vorwürfe vor. Ob und wie sich diese Einschätzung später in einem Prozess beweisen lässt, muss allerdings erst das zuständige Schwurgericht klären.
Die 14 Männer, darunter Personen, die zur Tatzeit minderjährig gewesen sein sollen, bleiben Beschuldigte. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Die Ermittlungen hatten sich mit dem Vorwurf des Mordes sowie versuchten Mordes in organisierter Gruppe befasst. Im Juni 2026 hatte die Staatsanwaltschaft Valence für elf Beschuldigte eine Anklage vor dem Schwurgericht beantragt, ohne das rassistische Merkmal in ihrem Schlussantrag zu übernehmen.
Gerade dieser Unterschied zwischen Staatsanwaltschaft und Ermittlungsrichterin sorgt nun für neue Diskussionen. Ein Anwalt aus dem Lager der Verteidigung sagte Franceinfo, er frage sich, ob medialer oder politischer Druck bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben könne. Das ist eine Position der Verteidigung, kein festgestellter Befund. Der Anwalt einer Opfervereinigung begrüßte die Neubewertung dagegen ausdrücklich.
Die Entscheidung bedeutet noch kein Urteil und legt weder einen konkreten Tatablauf noch persönliche Verantwortung endgültig fest. Sie kann aber den Rahmen eines späteren Verfahrens prägen: Das Gericht müsste dann nicht nur über Gewalttaten und mögliche individuelle Beteiligungen befinden, sondern auch darüber, ob Opfer wegen einer tatsächlichen oder zugeschriebenen Herkunft, Nation oder Hautfarbe angegriffen wurden.
Für Crépol bleibt der Fall mehr als ein Aktenzeichen. Das kleine Dorf wurde zum Symbol einer Debatte, die oft schneller und lauter geführt wurde als das Verfahren selbst. Die Aufgabe der Justiz besteht nun darin, die Zeugenaussagen, Spuren und Verantwortlichkeiten nüchtern zu prüfen – und den Angehörigen von Thomas Perotto nach langer Zeit ein rechtsstaatlich belastbares Verfahren zu ermöglichen.
Quellen
- Franceinfo
- AFP via Boursorama
- Le Progres
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).