Paris – 15.07.2026: Der zweite Teil des Kinofilms "La Bataille de Gaulle" hat eine historische Debatte neu belebt: Wollten die Vereinigten Staaten Frankreich bei der Befreiung 1944 unter direkte Militaerverwaltung stellen und das Land sogar territorial schwaechen? Die Antwort der Forschung ist differenziert. Belegt sind weitreichende amerikanische Gedankenspiele und ein tiefer Konflikt mit Charles de Gaulle. Ein beschlossener Plan zur Zerschlagung Frankreichs ist dagegen nicht nachweisbar.
Im Zentrum steht das Konzept einer alliierten Militaerverwaltung für befreite Gebiete, bekannt unter der Abkuerzung AMGOT. Die US-Regierung bereitete für den Fall eines Zusammenbruchs der staatlichen Ordnung in Frankreich Verwaltungsstrukturen vor. Dazu gehoerten unter anderem vorbereitete Banknoten. De Gaulle sah darin eine Bedrohung der französischen Souveraenitaet und widersetzte sich dem Vorhaben entschlossen.
Franklin D. Roosevelt misstraute dem General erheblich. Der US-Präsident bezweifelte dessen demokratische Legitimation und wollte verhindern, dass de Gaulle ohne Zustimmung der grossen Alliierten die politische Fuehrung übernahm. Diese Haltung bedeutete jedoch nicht automatisch, dass Washington Frankreich dauerhaft wie ein besiegtes Feindland regieren wollte. Historiker unterscheiden deshalb zwischen militaerischer Vorsorge, politischem Druck und einem konkreten Besatzungsplan.
Die Fondation Charles de Gaulle verweist darauf, dass Washington im Juli 1944 schliesslich anerkannte, dass das Französische Komitee der Nationalen Befreiung die Verwaltung Frankreichs übernehmen konnte. Diese Entscheidung fiel nach dem Erfolg der Landung in der Normandie und vor der Befreiung von Paris. Das spätere Provisorische Regierungssystem der Französischen Republik setzte sich im Land durch; eine alliierte Militaerverwaltung wurde nicht eingefuehrt.
Auch die im Film aufgegriffene Idee eines Pufferstaates namens "Neue Wallonie" besitzt einen historischen Kern, wird aber oft überzeichnet. Roosevelt dachte laut neu ausgewerteten historischen Darstellungen zeitweise über eine Neuordnung der Grenzen zwischen Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland nach. Solche Überlegungen blieben unverbindlich. Weder entstand ein neuer Staat noch wurde Frankreich nach der Befreiung territorial geteilt.
Der Historiker Olivier Wieviorka warnt zudem davor, aus den Konflikten zwischen Roosevelt und de Gaulle eine fest beschlossene amerikanische Besatzungspolitik abzuleiten. Seine Forschung betont, dass die Alliierten Frankreich nicht in dieselbe Kategorie wie Deutschland oder Italien einordneten. Unstrittig bleibt dennoch, dass die amerikanische Fuehrung de Gaulle lange skeptisch gegenüberstand und seine Machtübernahme nicht als selbstverstaendlich ansah.
Der Film verdichtet damit reale Spannungen zu einer dramatischen Erzaehlung. Die historische Bilanz lautet: Die französische Eigenstaatlichkeit war 1944 politisch umkaempft, aber eine amerikanische Aufteilung oder dauerhafte Fremdverwaltung Frankreichs wurde nicht umgesetzt. De Gaulles Durchsetzungsfaehigkeit, die Unterstützung in der Resistance und die rasche Wiederherstellung staatlicher Institutionen waren dabei entscheidend.
Quellen
- Ministerium der Streitkraefte und Veteranenangelegenheiten
- Fondation Charles de Gaulle
- Le Monde
- Institut des hautes etudes de defense nationale
- La Nouvelle Revue Politique
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).