Paris – 14.10.2026: Mehr als 170 französische und belgische Filmschaffende warnen vor den Folgen des französischen Haushaltsentwurfs für 2027. In einem am Mittwoch veröffentlichten Aufruf erklären sie, mehrere geplante Maßnahmen könnten die Finanzierung der Filmproduktion erheblich schwächen. Zu den Erstunterzeichnern gehören Jacques Audiard, Justine Triet, Costa-Gavras sowie Luc und Jean-Pierre Dardenne.
Der Appell fällt in die laufenden Haushaltsberatungen der Nationalversammlung. Das Gesetzesprojekt wurde am 1. Oktober eingebracht; seit dem 13. Oktober beraten die Abgeordneten über dessen Einnahmenteil. Die Unterzeichner fordern Änderungen und sehen das bisherige Finanzierungsmodell des französischen Kinos in Gefahr. Dieses beruht auf dem Zusammenspiel öffentlich-rechtlicher und privater Sender, zweckgebundener Abgaben und staatlich organisierter Filmförderung.
Besonders wenden sie sich gegen die vorgesehene Abschaffung ermäßigter Mehrwertsteuersätze für Fernsehdienste. Davon wäre ihrer Darstellung zufolge auch Canal+ betroffen. Der Bezahlfernsehsender gehört zu den wichtigsten privaten Geldgebern französischer Kinoproduktionen. Ein in der Nationalversammlung eingebrachter Änderungsantrag warnt ebenfalls, die Maßnahme könne die Investitionsfähigkeit des Senders und damit die Finanzierung audiovisueller Werke beeinträchtigen.
Sorge bereitet den Filmschaffenden zudem die finanzielle Ausstattung von France Télévisions. Der Aufruf beziffert die im Entwurf vorgesehene Belastung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für 2027 auf 47 Millionen Euro. Schrumpften die Budgets zweier bedeutender Geldgeber gleichzeitig, könnten nach Einschätzung der Unterzeichner vor allem unabhängige Produktionen und Filme mit mittleren Budgets darunter leiden. Solche Projekte sind häufig auf mehrere Finanzierungspartner angewiesen.
Die Kritik betrifft außerdem das Centre national du cinéma et de l'image animée, kurz CNC. Die französische Filmförderbehörde finanziert ihre Instrumente vor allem durch Abgaben von Unternehmen, die Filme verbreiten oder audiovisuelle Inhalte anbieten. Laut dem Aufruf gibt es im Parlament Überlegungen, unmittelbar auf diese Einnahmen zuzugreifen. Die Filmschaffenden verlangen, sie vollständig für die Aufgaben des CNC zu sichern.
Die Warnung, jährlich könnten bis zu 80 Filme wegfallen, ist eine Prognose des Kollektivs und keine bereits feststehende Folge des Gesetzes. Der CNC hatte für 2025 einen leichten Produktionsrückgang gemeldet. Gleichzeitig sanken die Investitionen traditioneller privater Fernsehanbieter deutlich. Canal+ blieb mit 155,6 Millionen Euro dennoch der mit Abstand größte private Finanzierer des französischen Kinos.
Betroffen wären nach Darstellung der Gruppe neben Produktionsfirmen und Kinos auch Beschäftigte sowie regionale Drehorte. Sie fordert die Abgeordneten auf, den Etat von France Télévisions zu schützen, die Einnahmen des CNC nicht anzutasten und die ermäßigte Mehrwertsteuer für Bezahlfernsehen beizubehalten. Über die einzelnen Maßnahmen ist im parlamentarischen Verfahren noch nicht endgültig entschieden.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- Assemblée nationale
- Centre national du cinéma et de l'image animée
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).